Mittwoch, 10. Januar 2018

Kompetenz-Attrappen des Campus Galli benötigen mehr Staatsknete



Den regelmäßigen Besuchern der Campus-Galli-Rubrik dieses Blogs ist es schon bekannt, dem Rest der Leser eventuell noch nicht: Die in Living-History-Kreisen eher übel beleumundete Mittelalterbaustelle Campus Galli mutiert laut Schwäbischen Zeitung nach fünf Jahren Laufzeit wohl endgültig zu einem Betrieb, der auf eine kostspielige Dauerbezuschussung durch den Steuerzahler angewiesen ist. Neben direkten Förderungen sollen 2018 auch hohe Kredite fließen.
Freilich, die vom Inseratengeld der Politik naschenden Propagandaposaunen der Schwäbische Zeitung versuchen eifrig, die negative finanzielle Entwicklung des politiknahen Projekts durch Verschweigen unliebsamer Fakten zu beschönigen; Stichwort "Lückenpresse", wie der Politikwissenschaftler Ulrich Teusch diese Methode in seinem gleichnamigen Buch auf den Punkt gebracht hat. Hier ein paar Beispiele für solche Auslassungen :

➼ Laut einer Prognose der Betreiber, sollte das Projekt 2018 schwarze Zahlen schreiben; siehe  das nebenstehende Zitat aus dem Wochenblatt Bad Saulgau vom 29. 10. 2015.
Und am 02. 11. 2015 erklärt Hannes Napierala in einem Interview mit der Schwäbischen Zeitung: "Das Ziel ist nach wie vor, dass sich der Campus Galli ab 2018 finanziell selbst trägt." 
Ein Ziel, das angesichts der nun fix eingeplanten Fördergeld-Unsummen (siehe auch weiter unten) nicht erreicht werden konnte. Zu einer öffentlichen Entschuldigung für seine teure Fehleinschätzung, ließ sich der von ehemaligen Mitarbeitern als "eingebildet" beschriebene Geschäftsführer allerdings bis dato nicht herab. Im Gegenteil, wohl wissend, dass die Politik aufgrund all der versenkten Millionen längst nicht mehr zurück kann (ohne bei den nächsten Kommunalwahlen beträchtlichen Schaden zu nehmen), stellt er weitere Forderungen auf. So dürfe etwa dem Campus Galli ein neuer Parkplatz nicht in Rechnung gestellt werden. Dabei handle es sich vielmehr um eine "städtische Investition".
Die Absurdität dieser Argumentation ergibt sich daraus, dass die finanzmarode Mittelalterbaustelle mitten in der Pampa liegt, weit entfernt von jeder Stadt. Der Parkplatz kommt dementsprechend nur ihr selbst zugute, aber bezahlen will man dafür nicht. Stattdessen werden die Kosten ins Budget der Stadt Meßkirch ausgelagert. Tarnen und Täuschen ist die offensichtliche Devise.

➼ Den ursprünglichen Prognosen aus den Jahren 2012/2013 folgend, hätte der Campus Galli sogar schon nach drei Jahren finanziell auf eigenen Beinen stehen sollen - also 2015. Auf Grundlage dieses (Zweck-)Optimismus war es überhaupt erst möglich, das Projekt mit politischer Hilfe anzuleiern. Es ist natürlich wenig überraschend, dass die verantwortlichen Politiker und ihre unterstützenden Wurmfortsätze aus dem journalistischen Anzeigen-Prekariat besonders darüber die Decke des Vergessens ausbreiten.

➼ Zusätzlich zu den für das Jahr 2018 gewährten Geldern der Stadt Meßkirch, fließen Mittel aus weiteren Steuergeld-Töpfen; alleine 301 000 Euro schießt das "Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum" für den Bau einer Scheune zu. Dazu kommen hohe Summen, die von der Arbeitsagentur für die Löhne diverser Mitarbeiter des Campus Galli beigesteuert werden. Außerdem übernehmen Angestellte der Stadt Meßkirch unentgeltlich Marketing-Aufgaben für den nur scheinbar 'privaten' Trägerverein des Projekts. Und aus Landesforsten wurde 'kostenlos' hochwertiges Laubholz zur Verfügung gestellt. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Abschließender Hinweis: Die notorischen Steuergeld-Schnorrer des Campus Galli löschen auf ihrer projekteigenen Facebook-Seite Fragen zur finanziellen Lage umgehend; nur Lobhudeleien sind willkommen. Eine Vorgehensweise, die getrost als Ausdruck eines schlechten Gewissens interpretiert werden darf. 😊

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17 Kommentare

  1. Das muss man sich einmal vorstellen: Die fuhrwerken dort mit unserem Geld schon seit einem halben Jahrzehnt herum, aber nicht einmal die wenigen Handwerksplätze die sie haben, sind fertig ausgebaut. Diese Töpferei ist doch an Armseligkeit nicht zu überbieten.

    Der Wanderschmied

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  2. Rückblickend komme ich zu dem Schluss, dass man genauso gut Geurten auf seinem Posten hätte belassen können, anstatt ihn durch Napierala zu ersetzen.

    Grüßle,
    Maria

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  3. Vielleicht sollte man in Meßkirch umsatteln und statt einer karolingischen Klosteranlage lieber den Kölner Dom nachbauen. Dann hätte man 632 Jahre Zeit um fertig zu werden. Zugegeben, angesichts dessen, was die Betreiber von Campus Galli bisher an Kompetenzen haben erahnen lassen, ist das ein sehr ehrgeiziger Zeitplan.

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    1. Wie, ist der Kölner Dom schon fertig? ;-)

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  4. Meine Kollegin und ich haben gut zwei Jahre benötigt, um die nötigen Gelder für ein Forschungsprojekt über römische Baukeramik zusammenzubetteln. Irgendwas müssen wir im Gegensatz zu diesem dubiosen Freilichtmuseum in Baden-Württemberg falsch gemacht haben ...

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    1. Sie und Ihre Kollegin wahren wahrscheinlich nicht verlogen.

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    2. Es ist leider Fakt: Während sich unsereins immer stärker um Drittmittel bemühen muss, bekommen Bespaßungsbetriebe wie dieser das Geld hinterhergeworfen. Ich mag mich schon gar nicht mehr darüber ärgern. Es ist einfach nur traurig :-(
      Pia

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  5. Ich habe langsam den Eindruck, dass die Damen und Herren in Messkirch selbst mit der Finanzierung und dem Bau einer Legoburg überfordert wären.

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    1. Im Bau von Legoburgen jeglicher Größe bin ich nur allzu erfahren. Diese Kompetenz war aber nicht einmal nötig, um den größenwahnsinnigen Versprechungen Geurtens von Anfang an zu misstrauen.
      Leser

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  6. Ach gibt es diesen Campus immer noch??!?
    Ich habe das Thema nicht so verfolgt, dachte mir aber, dass die längst in die Pleite geschlittert sind, nachdem ihnen schon vor ein paar Jahren das Geld ausgegangen ist.

    Auch wenn sie keine ausreichenden Einnahmen generieren, zumindest über Vitamin B verfügen sie offenbar ausreichend. Sonst hätten sie sich kaum so lange gehalten.

    Beste Grüße aus Wien
    J Striebel

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  7. Bei der Bürgerversammlung äußerte Bürgermeister Zwick noch realistisch: "Das Projekt kann auch scheitern."
    Nun, gemessen an den vollmundigen Ankündigungen Geurtens: Nach vier Jahren keine weitere städtischen Zuschüsse, die insgesamt nicht mehr als 400.000 € betragen dürfen, ist das Projekt bereits gescheitert, ungeachtet des Anstiegs der Besucherzahlen. Das selbe gilt aber auch auf der Umsetzungsebene, wo nach einem halben Jahrzehnt mit der Realisierung der Anlage des Klosterplans noch nicht einmal begonnen (!) wurde. Was soll dagegen die Holzkirche, die auf dem St. Gallener Plan überhaupt nicht vorkommt? Wenn man hierbei plötzlich historisch korrekt arbeiten wollte, dann hätte nicht nur eine Holzkirche, sondern ein ganzes "Holzkloster" hingehört, nicht zu vergessen die Handwerkersiedlung. Es wäre dem "Campus Galli" aber nicht zu verdenken gewesen, hätte er unverzüglich mit der Umsetzung des Klosterplans begonnen und auf derlei Umwege verzichtet. Doch dass eine "Klosterstadt" unrealistisch ist, begreift auch Napierala, der auf seriösere Art davon spricht, man wolle den Klosterplan "in kleinerem Maßstab" verwirklichen. Alles läuft darauf hinaus, dass die Bezugnahme auf den St. Gallener Plan eine Farce ist.
    Leser

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    1. Die Überlegung zum "Gesundschrumpfen" der Pläne und des gesamten Umsetzungsapparates wäre tatsächlich gar keine so blöde Idee in diesem Fall.

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    2. Vor allem wäre das ehrlich. Aber gerade deshalb wird es nicht kommen. Das ganze Projekt bezieht seine extrem übertriebene Medienpräsenz aus dem Umstand, dass man angeblich eine veritable "Klosterstadt" baut. Mit dem realistischen Schrumpfen des Projekts, schrumpft auch das Interesse des Journalisten. Deshalb wird man am bisherigen Wording festhalten. Egal wie unrealistisch das ist.
      QX

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  8. Das was dort getrieben wird, ist doch reine Klientelpolitik. Der CDU-Bürgermeister schanzt Steuergeld CDU-nahen Tourismusbetrieben zu. Deshalb darf der Laden auch Verluste bis zum Abwinken schreiben. Er ist nur Mittel zum Zweck.

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  9. Die lokale Presse fördert solche von der Politik getragenen Projekte grundsätzlich und lässt dabei jede journalistische Distanz fahren. Dafür gibt es viele weitere Beispiele.
    Dass dahinter in der Regel purer Eigennutz steht, wurde hier vollkommen richtig erkannt.

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