Dienstag, 9. Januar 2018

Buch: Euripides - Die Dramen (Band I und II)




Der um 480 v. Chr. auf der Insel Salamis geborene Euripides zählt neben Aischylos und Sophokles zu den drei größten griechischen Tragödiendichtern der Antike. 18 seiner ca. 90 Dramen wurden vollständig überliefert und in der vorliegenden zweibändigen Ausgabe des Körner Verlages abgedruckt.
  • Band I: Alkestis, Medea, Die Herakliden, Hippolytos, Andromache, Hekabe, Die Schutzflehenden, Elektra, Herakles, Die Troierinnen
  • Band II: Iphigenie bei den Taurern, Ion, Helena, Die Phoinikerinnen, Orestes, Die Bakchen, Iphigenie in Aulis, Der Kyklop

Die 1. Auflage stammt aus dem Jahr 1958, die vorliegende 3. Auflage aus dem Jahr 2016. Im Kern beruht die einsprachige Übersetzung auf der Arbeit von Johann Jakob Donner († 28. März 1875) - ist also nicht mehr ganz taufrisch. Das Deutsch der von Richard Kannicht und Bernhard Zimmermann "gründlich überarbeiteten" Texte würde ich - im Gegensatz zu der im gleichen Verlag erschienen Herodot-Übersetzung - nicht unbedingt als völlig leichte Kost bezeichnen; will heißen, die Formulierungen der Verse wirken auf heutige Leser eher 'geschraubt'. Allerdings habe ich das auch schon bei den mir bisher untergekommenen Konkurrenzprodukten festgestellt - z.B. den Reclam-Ausgaben.
Die den Bänden vorangestellte allgemeine Einleitung führt den Leser an die Dramen des Euripides recht gut heran. Daneben verfügen auch die einzelnen Stücke über eigene Einleitungen, in denen unter anderem die mythologischen Hintergründe der Handlung erläutert werden. Das ist durchaus sinnvoll, da für den modernen Leser anderenfalls allzu viel unverständlich bleiben würde (ich bezweifle trotzdem, dass selbst der ausgebuffteste Altphilologe immer voll durchblickt). 
Außerdem enthalten ist neben zahlreichen Anmerkungen/Endnoten ein Nachwort, in dem ein kurzer Blick auf die Überlieferungsgeschichte sowie die Aufführungsbdingungen der Dramen zur Zeit des Euripides geworfen wird. 

Über die dichterische bzw. künstlerische Qualität der Stücke kann ich wenig sagen - in der Hinsicht bin ich nämlich ein absoluter Banause 😊. Für mich ist das Werk des Euripides vielmehr als ergänzende historische Quelle zu Herodot, Thukydides und Co. von Interesse, da es beispielsweise Auskunft über Religion, Mythen, Sitten und soziale Verhältnisse im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. gibt - einer besonders spannenden Zeit, in die sowohl Perserkriege wie auch der Peloponnesische Krieg fallen. Vor allem letztere Auseinandersetzung schlägt sich in den überlieferten Dramen indirekt nieder. Da Euripides außerdem die Handlung seiner Stücke gerne im Milieu der 'einfachen Leute' ansiedelte (sehr zum Ärger seiner zeitgenössischen Kritiker), kann hier der aufmerksame Leser auch das eine oder andere Detail über den Lebensalltag der antiken Durchschnittsgriechen entdecken.

Der Preis ist mit knapp 23 Euro pro 500seitigem Hardcover-Band meiner Ansicht nach ziemlich günstig. 

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2 Kommentare

  1. Ich glaube, Reclam biete keine Gesamtausgabe an, sondern nur einzelne Stücke aus dem Werk von Euripides. Ein weiterer Bonus ist, dass man bei Kröner einen ordentlichen Einband bekommt, und nicht diese billigen Taschenbücher mit Sollbruchstellen :-)

    Guinevere

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    1. Ja, die Einbände von Reclams Universalbibliothek sind leider nicht der Brüller. Zwecks Verlängerung der Lebensdauer stecke ich sie deshalb auch in Schutzumschläge.

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