Montag, 21. Mai 2018

Hörbares: Aus "Schlampen" werden "Frauen" -- Das Museumsdorf Düppel -- Wunderbare Musik aus Byzanz -- Archäologie im Krieg



 Aus "Schlampen" werden "Frauen": Politisch wenig korrekte Homer-Übersetzungen? | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Hier stellt sich die Frage, ob solche Neuübersetzungen nicht ebenfalls an einer vom Zeitgeist beeinflussten Denkweise kranken, wie die z.T. zurecht kritisierten Altübersetzungen. Überhaupt halte ich es für krasse Selbsttäuschung, wenn Geschichtswissenschaftler heute glauben, sie wären wesentlich objektiver als ihre Vorgänger vor 100 Jahren. Meinungswissenschaft bleibt nämlich Meinungswissenschaft. 

 Das Museumsdorf Düppel - Mittelalterliches Leben in Berlin | Spieldauer 15 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Achtung, nicht verwirren lassen, am Beginn der Sendung wird noch ca. zwei Minuten lang über den 30jährigen Krieg gesprochen. Das Museumsdorf Düppel wurde hier von Lesern übrigens schon mehrmals als bessere Alternative zur baden-württembergischen Mittelalterbaustelle Campus Galli ins Spiel gebracht.

"Sticheron" (über Augustus) - Wunderbare Musik aus Byzanz | Spieldauer 3 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Nach dem Hören der Sendung musste ich sofort nach diesem schönen Musikstück googeln ... mit Erfolg 😊

➽ Archäologie: Seit wann leben Menschen in Südamerika? | Spieldauer 10 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Kaiser Otto IV. und sein Tribock | Spieldauer 4 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Archäologie im Krieg - Gespräch mit der Archäologin Margarete van Ess | Spieldauer 24 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Das Paläon, ein Forschungs- und Erlebniszentrum in Schöningen | Spieldauer 6 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Zerstörung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg | Spieldauer 3 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Namensforscher: Geiger als Familienname | Spieldauer 3 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Siehe auch die auf der Seite verlinkten Sendungen zur Herkunft vieler weiterer Familiennamen.

—————–

 Mehr Hörbares


Freitag, 18. Mai 2018

Warum das antike Rom lange Zeit ein städtebauliches Chaos war



In John Maddox Roberts' wunderbarer SPQR-Romanreihe wird das Rom Caesars und Ciceros äußerst bildhaft als chaotisches Durcheinander geschildert. Dabei bezieht sich der Autor allerdings keineswegs nur auf die wahnwitzige politische Situation jener Tage, sondern auch auf die Bebauung der Stadt. Anders als in der späteren Kaiserzeit waren die Straßen des republikanischen Roms fast ausschließlich sehr schmal und wanden sich scheinbar planlos mal dahin und mal dorthin. Die Tiberstadt war schließlich, im Gegensatz zu vielen hellenistischen Städte jener Tage, nicht auf dem Reißbrett geplant worden. Die Forschung geht vielmehr davon aus, dass sich hier mehrere Dörfer langsam die berühmten sieben Hügel hinab ausgedehnt hatten und im Laufe der Zeit zu einer einzigen großen Ansiedlung zusammenwuchsen. 
Diese Theorie ist durchaus nicht von der Hand zu weisen, aber glaubt man dem antiken Geschichtsschreiber Livius, dann dürfte es noch einen anderen maßgeblichen Grund für das unordentliche Layout Roms gegeben haben. Im 5. Buch seines Geschichtswerks Ab Urbe condita findet sich nachfolgende Stelle, in der es um den Wiederaufbau Roms nach der Zerstörung durch die Gallier im Jahr 387 v. Chr. geht. Damals war bemerkenswerterweise erwogen worden, die Stadt komplett aufzugeben und in das nur 18 Kilometer entfernte, wesentlich geschützter liegende Veji zu ziehen, welches man nicht lange zuvor den Etruskern entrissen hatte. Sowohl Volkstribunen wie auch erhebliche Teile der Bevölkerung waren für diesen Umzug, der Senat allerdings sprach sich überwiegend dagegen aus. Offiziell heißt es bei Livius, man habe sich letztendlich aufgrund eines göttlichen Zeichens für den Verbleib in Rom entschieden. 
Es erscheint mir freilich sehr unwahrscheinlich, dass eine dermaßen wichtige Entscheidung lediglich auf Übernatürliches zurückzuführen war. Und tatsächlich schiebt Livius selbst einen möglichen Alternativ-Grund nach, der gleichzeitig eine Erklärung für das eingangs erwähnte bauliche Durcheinander Roms sein kann; man habe nämlich beschlossen, der Bevölkerung massive Vergünstigungen zu gewähren, sofern sie bleiben und Rom möglichst rasch wieder aufbauen würde.

Der Gesetzesantrag (für die Umsiedlung nach Veji) wurde daraufhin verworfen, und man begann die Stadt ohne Planung wieder aufzubauen. Gebrannte Ziegel stellte der Staat zur Verfügung; jeder erhielt die Erlaubnis, wo er wollte Steine und Bauholz zu hauen, wenn er dafür bürgte, das Bauwerk noch in diesem Jahr fertigzustellen. In ihrer Eile verwandten sie keine Sorgfalt darauf, die Häuserreihen gerade auszurichten, während sie, ohne zwischen eigenem und fremden Gut zu unterscheiden, auf dem freien Areal bauten. Dies ist auch der Grund, warum die alten Abwasserkanäle, die vormals durch Gemeindebesitz führten, nun auf weiten Strecken unter Privatgebäuden laufen und die Stadt ihrem Bilde nach mehr einer hastig in Besitz genommenen als einer planmäßig angelegten gleicht. 
Quelle: Livius, Ab urbe Condita, Buch V, 55, 2-5

In größerem Umfang geändert hat sich das Stadtbild Roms erst im Verlauf der Kaiserzeit, besonders infolge mehrerer Großbränden, die eine weiträumige Neuplanung des städtischen Layouts mit breiten Straßen und vielen vorgelagerten Portiken ermöglichten (Nero soll Rom deshalb sogar angezündet haben, wurde gemunkelt).
Zu Zeiten des Livius aber, also während der Regentschaft des Augustus, hatte Rom offensichtlich noch viel von seinem republikanisch-chaotischen Flair. Es kann also keine Rede davon sein, dass sich, wie es gerne heißt, Rom bereits damals von einer Stadt aus Ziegeln in eine Stadt aus Marmor gewandelt hatte. In Wirklichkeit waren die Veränderungen, wie sie etwa Augustus in seinem Tatenbericht (Res gestae divi Augusti) nennt, nur relativ kleinräumiger Natur - etwa in Form der Neugestaltung des Forums (siehe dazu auch dieses interessante Video der Antikensammlung Erlangen, in dem unter anderem das Forum Romanum der späten Republik mit dem der beginnenden Kaiserzeit anhand zweier schöner Modelle verglichen wird; ab ca 06:00 geht es los).

—————–

Quelle / weiterführende Literatur: 

Weitere interessante Themen: 


Donnerstag, 17. Mai 2018

Der Initiator des Campus Galli ist verstorben

Bert M. Geurten, der Initiator der Mittelalterbaustelle Campus Galli, ist dieser Tage verstorben. Er hatte sich von einem 2016 erlittenen Schlaganfall nie wieder ganz erholt, heißt es in der Tageszeitung Südkurier unter Berufung auf eine Aussendung des Campus Galli: Klick mich

Meine Meinung zum Campus Galli ist hinlänglich bekannt; ebenso wie ich über die Tätigkeit und Verantwortlichkeit von Herrn Geurten im Zusammenhang mit diesem Projekt denke. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle mein Bedauern über seinen frühen Tod zum Ausdruck bringen. Es gab und gibt nur wenige Menschen, über deren Statements ich mich so gerne geärgert habe wie über seine. Und schließlich verdanke ich ihm bzw. dem Campus Galli, dass dieses Blog in mehreren Tageszeitungen zitiert wurde - was für einen kräftigen und nachhaltigen Leserschub sorgte. Ja, so seltsam es sich vielleicht auch anhört, aber ich werde Bert M. Geurten tatsächlich vermissen. 


Mittwoch, 16. Mai 2018

Krimskrams: Was haben die Himmelsscheibe von Nebra und der Schild des Achilles gemeinsam? -- Neue Lucullus-Biographie -- Abdruck von Rennpferd in Pompeji entdeckt



Was haben die Himmelsscheibe von Nebra und der Schild des Achilles gemeinsam?

In Homers Epos Ilias heißt es über die Bemalung von Achilles' Schild, den der Sage nach der Schmiedegott Hephaistos angefertigt hatte:

Und fünf Schichten hatte der Schild selbst, aber darauf dann machte er viele kunstvolle Bilder mit kundigem Sinne. Auf ihm schuf er die Erde und auf ihm das Meer und den Himmel. Und die Sonne, die unermüdliche, und auch den Vollmond. Auf ihm all die Gestirne, mit denen der Himmel umkränzt ist: Die Plejaden, Hyaden sowie auch die Kraft des Orion. Und die Bärin, die auch mit dem Namen Wagen benannt wird; sie kreist um sich selbst und späht zum Orion hinüber [...].
Homer, Ilias, 18. Gesang, 480-490 (Übers.: Roland Hampe)

Beim Lesen dieser Stelle wurde ich stutzig. Woher kam mir ein guter Teil der beschriebenen Ansammlung von Himmelsobjekten nur so bekannt vor? Dann fiel es mir ein: Von der bronzezeitlichen Himmelsscheibe von Nebra natürlich. Mond, Sonne (vielleicht aber auch Vollmond) und Plejaden (bezeichnenderweise "Siebengestirn" genannt), sind auch darauf mit einiger Wahrscheinlichkeit zu identifizieren. Beim Rest bedarf es freilich viel Phantasie.

Zufall? Gut möglich, denn schließlich handelt es sich um besonders prominente Objekte am Himmel, die in verschiedenen Kulturen völlig unabhängig voneinander eine gewisse religiöse und mythologische Bedeutung erlangt haben können; nicht zu vergessen ihr praktischer Nutzen für die Landwirtschaft, wie beispielsweise schon aus Hesiods Lehrgedicht "Werke und Tage" hervorgeht.
Vielleicht steckt hinter dem parallelen Auftreten dieser speziellen 'Versammlung' auf der Himmelsscheibe und dem Schild des Achilles aber auch mehr. Jedenfalls lohnt es sich, darüber genauer nachzudenken und nach weiteren ähnlichen Beispielen Ausschau zu halten.

Apropos Himmelsscheibe: Dazu werde ich in den kommenden Monaten noch ein Buch von der Archäologin Iris Newton besprechen.

—————–

Neue Lucullus-Biographie


Jemand, der weiß, dass eines meiner Lieblingsthemen die späte Römische Republik ist, hat mich schon im vergangenen Jänner auf eine neue Biographie aufmerksam gemacht, in der es um das Leben und die Feldzüge des Lucius Licinius Lucullus geht. Dieser Mann ist heute vor allem für seine Gelage und Schlemmereien bekannt - siehe das sprichwörtliche "lukullische Mahl"! Das aber ist eine völlig falsche Gewichtung, die Lucullus überhaupt nicht gerecht wird, denn er war vor allem ein hochbegabter Militär, Politiker und Verwalter, der es verdient, in einem Atemzug mit Leuten wie Pompejus und Caesar genannt zu werden. Erst an seinem Lebensabend hat Lucullus damit begonnen, die Früchte seines abenteuerlichen, aber auch gewinnbringenden Lebens in vollen Zügen zu genießen. Den Untergang der Republik zu erleben, war ihm erspart geblieben, da er wenige Jahre zuvor starb.

Weil es das besagte Buch - "Lucullus: The Life and and Campaigns of a Roman Conqueror" - nur in englischer Sprache gibt, habe ich beim zuständigen Verlag in London nachgefragt, ob in absehbarer Zeit auch eine deutsche Veröffentlichung geplant ist. Doch leider, bisher sind die Rechte noch an keinen deutschen Verlag verkauft worden. Man arbeitet aber daran, hieß es. Hoffentlich wird daraus etwas, denn eine aktuelle Biographie über Lucullus in deutscher Sprache zu haben, ist meiner Ansicht nach schon lange überfällig.

—————–

Abdruck von Rennpferd in Pompeji entdeckt

In einem bebilderten Zeitungsbericht wird vom (Gips-)Abdruck eines römischen Rennpferdes berichtet. Das Tier war beim Vesuvausbruch des Jahres 79 n. Chr. in einer Landvilla in der Nähe von Pompeji umgekommen. Die Entdeckung nimmt man nun zum Anlass für weitere Grabungen auf dem betreffenden Areal: Klick mich

Mein Senf dazu: Anstatt neue 'Baustellen' zu eröffnen, sollten die Italiener lieber einmal die Konservierung der bisherigen Ausgrabungen in Pompeji auf die Reihe bekommen. Die dabei seit zig Jahrzehnten an den Tag gelegte Nachlässigkeit geht nämlich auf keine Kuhhaut mehr.
Man darf gespannt sein, ob die neue, aus z.T. 'unkonventionellen' Parteien bestehende Regierung Italiens hier eine Verbesserung herbeiführt. Ich hege da freilich nicht viel Hoffnung und tippe darauf, das weitergewurschtelt wird wie bisher.

—————–

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:


Dienstag, 15. Mai 2018

Hiltibolds aktuelle Leseliste: Codices illustres -- Egyptian Art -- Gladiatoren -- Thukydides' Peloponnesischer Krieg


Codices Illustres - Die schönsten illuminierten Handschriften der Welt | von Ingo F. Walther, Norbert Wolf | Taschen Verlag | 2018 | Preis: 30 Euro | Infos bei Amazon
167 illuminierte Handschriften aus der Zeit zwischen 400 und 1600 werden in diesem 500seitigen, reichhaltig bebilderten und sehr übersichtlich gestalteten Buch in chronologischer Reihenfolge vorgestellt. Codices Illustres eignet sich meiner Meinung nach besonders gut als Erstanlaufstelle für die Recherche, da viele Handschriften mittlerweile auch online eingesehen werden können.
Aber jetzt noch ganz etwas anderes. Was muss ich da auf den ersten Seiten des Buchs lesen?
"Unseren jährlichen Ausstoß an Kohlenstoffdioxid kompensieren wir mit Emissionszertifikaten des Institutio Terra, einem Regenwaldaufforstungsprogramm [...]."
Kompensieren? Obwohl unsere Pflanzen heute stark CO2-unterversorgt sind? Nicht zufällig wird dieses ungiftige Spurengas in Gewächshäuser gepumpt. Will heißen, auch der Regenwald profitiert von einem höheren CO2-Gehalt in der Atmosphäre und würde dadurch schneller und dichter wachsen. Im Kambrium, vor rund 500 Millionen Jahren, war der CO2-Gehalt in der Erdatmosphäre sogar 12 mal (!) so hoch wie heute (gleichzeitig war die globale Durchschnittstemperatur nicht im entsprechenden Verhältnis höher - was hinsichtlich der behaupteten, aber empirisch bis dato nicht bewiesenen, starken Klimasensitivität von CO2 doch sehr zu denken gibt). Statt sich in eine zweite Venus zu verwandeln (von wegen "tipping point" schon beim jetzigen CO2-Gehalt), explodierte sozusagen im Kambrium das Leben auf unserem Planeten. In der Wissenschaft hat sich deshalb sogar der Begriff "kambrische Artenexplosion" eingebürgert. Wer die sicher sinnvolle Wiederaufforstung des Regenwalds unterstützen möchte, der kann das deshalb auch ohne CO2-Zertifikate machen, mit denen weltweit schon ungemein viel Schindluder getrieben wurde und wird. 

Egyptian Art | von Émile Prisse d'Avesnes | Taschen Verlag | 2018 | Preis: 15 Euro | Infos bei Amazon
Dieses rund 600seitige Buch enthält unzählige, oft bunt kolorierte Zeichnungen, die der Ägyptologe Émile Prisse d'Avesnes im 19. Jahrhundert von z.T. mittlerweile zerstörten ägyptischen Wandmalereien, Bauten und sonstigen archäologischen Entdeckungen anfertigte. Einleitung und Bildtexte sind dreisprachig (Deutsch, Englisch, Französisch).
Der geschätzte Taschen Verlag (ohne Bindestrich ^^) verkauft auch eine XXL-Variante dieses Buchs, die zwar optisch sehr viel her macht, mir aber für die Recherche - und selbst zum Schmökern - zu unhandlich ist (ich habe entsprechende Erfahrungen bereits mit einem vergleichbaren Buch über Pompeji gemacht, das ebenfalls vom Taschen Verlag ist). Wobei man allerdings einräumen muss, dass für ein paar der Abbildungen dieses reduzierte Format dann doch zu klein ist. Der Preis ist freilich unschlagbar.

 Gladiatoren | von Leoni Hellmayr | Reclam Verlag | 2018 | Preis: 10 Euro | Infos bei Amazon
Die Autorin gibt in diesem 100seitigen Büchlein, das sogar einige Illustrationen enthält, einen kleinen Überblick hinsichtlich der römischen Gladiatur. Natürlich darf man sich hier keine Informationsflut erwarten, aber für mich ist es das Richtige, um mein Wissen zu diesem Aspekt des römischen Alltagslebens etwas aufzufrischen. Da ich außerdem einen gewissen Widerwillen hinsichtlich dieser - im wahrsten Sinne des Wortes -  'Mordsspektakel' verspüre, würde ich wahrscheinlich ohnehin nicht wesentlich mehr davon verdauen können.

 Der Peloponnesische Krieg | von Thukydides, H. Vretska, W. Rinner | Reclam Verlag | 2018 | Preis: 19 Euro | Infos bei Amazon
Dem Titel entsprechend behandelt in dieser einsprachigen Übersetzung der antike Geschichtsschreiber Thukydides den berühmten Peloponnesischen Krieg zwischen Athen und Sparta. Der Zeitraum der Ereignisse erstreckt sich dabei von 431 - 411 v. Chr. Da der Krieg allerdings erst 404 v. Chr. endete, wurde Thukydides Werk von Xenophon in dessen Hellenika fortgesetzt. Ich habe besagtes Buch hier schon vor einigen Monaten besprochen.

Ausführlichere Rezensionen zu den obigen Büchern folgen hier in den kommenden Wochen und Monaten.

—————–

Alle meine Rezensionen


Sonntag, 13. Mai 2018

Hörbares: Wie roch die Antike -- Rätselhaftes Ende der Bronzezeit vor Klärung? -- Archäofakes -- Mittelalter-Musik -- Kenntnisse und Techniken der Antike -- usw.




 Wie roch es in der Antike? | Spieldauer 6 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Das rätselhafte Ende der Bronzezeit - Klärung in Sicht? | Spieldauer 25 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Zeitreise in die Eurasische Steppe: Genome aus der Bronzezeit entschlüsselt | Spieldauer 25 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Archäofake: Fälschungen in Museen | Spieldauer 5 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Kenntnisse und Techniken der Antike | Spieldauer 7 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Mittelalter-Musik: In Seculum Viellatoris | Spieldauer 4 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Landshuter Hofmusiktage 2018 - Das Festival Alter Musik | Spieldauer 4 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Brexit: 1713 - Gibraltar wird britisch | Spieldauer 33 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

➽ Die ersten Menschen auf den Philippinen | Spieldauer 7 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

—————–

 Mehr Hörbares


Freitag, 11. Mai 2018

Buch: Die Apokryphen der Lutherbibel - Einführungen und Bibeltexte

Die Lutherbibel bzw. die Vollbibel der Evangelischen Kirche enthielt lange Zeit sogenannte apokryphe ('verborgene') Texte. Diese waren gesondert zwischen dem Alten und dem Neuen Testament platziert, worin sich nicht zuletzt ihre Entstehungszeit wiederspiegelt. Sie schließen nämlich die Überlieferungslücke zwischen diesen beiden großen Bestandteilen der Bibel und erleichtern so das Verständnis des Neuen Testaments.  

Bei den Apokryphen handelt es sich um folgende Texte:

 ⬗ Das Buch Judit
 ⬗ Die Weisheit Salomons
 ⬗ Das Buch Tobit
 ⬗ Das Buch Jesus Sirach / Ben Sira
 ⬗ Das Buch Baruch
 ⬗ Der Brief Jeremias (Baruch 6)
 ⬗ Die beiden Makkabäerbücher
 ⬗ Stücke zu Ester
 ⬗ Stücke zu Daniel
 ⬗ Das Gebet des Manasse

Auch wenn der für diese Schriften gewählte Begriff 'apokryph' relativ alt ist, so ist seine Verwendung nicht ganz glücklich. Die Texte waren nämlich nie 'verborgen' oder gar geheim, sondern jeder Christ konnte sie nach Lust und Laune lesen. Außerdem wird heute die Bedeutung von 'apokryph' im allgemeinen Sprachgebrauch viel weiter gefasst und bezieht beispielsweise auch die sogenannten apokryphen Evangelien mitein, die in der Lutherbibel aber nie enthalten waren. Die von Martin Luther getroffene Auswahl entspricht vielmehr dem Kernbestand des Alten Testaments in griechischer und lateinischer Sprache (Septuaginta und Vulgata). "Kernbestand" deshalb, weil es speziell in der Septuaginta auch noch andere Apokryphen gab, die aber nicht in jeder ihrere Ausgaben enthalten waren bzw. nicht einheitlich überliefert worden sind.

Während die obigen Apokryphen mehr oder weniger immer schon Teil der katholischen Bibel waren (dort gelten sie auch nicht unbedingt als apokryph, sondern eher als deuterokanonisch bzw. zweitrangig), so finden sie sich in den meisten deutschen Bibeln der Evangelischen Kirche, die heute im Umlauf sind, nicht mehr. Hauptgrund dafür ist, dass sie im 19. Jahrhundert auf Betreiben einflussreicher anglikanisch-calvinistischer Bibelgesellschaften nach und nach entfernt wurden. In diesen Kreisen hielt man die Apokryphen für theologisch minderwertig und zu trivial (bereits zu Luthers Zeiten war nicht jeder über ihre Aufnahme in dessen Bibel begeistert). Erst mit der Einheitsübersetzung des Jahres 2017 kehrten sie wieder in überarbeiteter Form zurück. Im gegenständlichen Buch wurden sie überdies von der Evangelischen Verlagsanstalt gesondert und mit einer ausführlichen, knapp 60seitigen  Einleitung veröffentlicht. Darin wird in einer auch für Theologie-Laien verständlicher Weise die Entstehungsgeschichte und die Bedeutung der apokryphen Texte der Lutherbibel erläutert. Sehr interessant! Einziges kleines Manko sind hier meiner Ansicht nach ungeschickte inhaltliche Überschneidungen, da mehrere Autoren involviert waren. Den einzelnen Apokryphen selbst wurden ebenfalls Einleitungen spendiert, in denen z.T. recht ausführlich über den Inhalt informiert wird. Für das Textverständnis eine nützliche Hilfe!

Mich persönlich interessieren die Apokryphen vor allem als historische Quellen der Antike. Hierbei gibt es jedoch große qualitative Unterschiede. Während etwa die beiden Makkabäer-Bücher immerhin eingeschränkt meine diesbezüglichen Ansprüche erfüllen (es geht darin u.a. um den jüdischen Kampf gegen die hellenistischen Seleukidenherrscher), so ist die Handlung im Buch Judit weitestgehend fiktiv, auch wenn sie sich vor einem mehr oder weniger historischen Hintergrund abspielt. 

Fazit: Ein interessantes, für mich überaus erhellendes Buch. Der Kaufpreis beträgt 34 Euro, was mir durchaus angemessen erscheint.

—————–

Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen:


Donnerstag, 10. Mai 2018

Hörbares: Kritik an mittelalterlicher Rekonstruktion Frankfurts -- Wie Bayern zu seinen Rauten kam -- Neandertaler-Mischlinge -- Die Urväter der Pferde -- usw.




 Kritik an der Rekonstruktion der mittelalterlichen Frankfurter Altstadt | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 "Meine europäische Familie" - Unter Sapiens-Neandertaler-Mischlingen | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Wie Bayern zu seinen Rauten kam - Fahne Weiß-Blau | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die sagenumwobenen Nasca-Indianer und ihr Klang der Wüste | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info

 Bedeutung und Geschichte des Sternbilds Becher und seiner Nachbarschaft | Spieldauer 3 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Die Urväter der Pferde | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 Was tierische Mythen über uns aussagen | Spieldauer 4 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

 "Gefährlich schön" - Historische Tapeten mit fatalen Nebenwirkungen | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

—————–

 Mehr Hörbares


Dienstag, 8. Mai 2018

Krimskrams: Daueverzögertes Merowinger-Buch -- Keine SPQR-Verfilmung, aber Hörbuch-Tipp -- Problematische Farbcodes

(C) Zeughaus Verlag
.
.
.
Daueverzögertes Merowinger-Buch

Eine scheinbar unendliche Geschichte geht weiter: Der dritte und letzte Teil der von mir (wegen den ausführlich dokumentierten Rekonstrukzionszeichnungen) sehr geschätzten Reihe "Das fränkische Heer der Merowingerzeit" wurde wieder verschoben - diesmal auf Ende 2018. Dabei hatte die Verlagsleitung, wie man mir im vergangenen Herbst auf Anfrage mitgeteilt hat, gehofft, das Buch eventuell Ende 2017 veröffentlichen zu können.

Doch leider, der zuständige Grafiker scheint sich ausgerechnet am entschleunigten Arbeitstempo der Campus-Galli-Mitarbeiter ein Beispiel genommen zu haben 😉 und lässt den Verlag seit ca. zwei Jahren zappeln. Oder ist er auch einfach nur ein extrem pingeliger Rechercheur? 
Wie auch immer, das Cover des Buchs scheint man nun fertig zu haben. Und auch über den Inhalt erfährt man zumindest grob etwas: Sax, Streit- und Wurfaxt, Lanze und Speer, Pfeil und Bogen.
Zu letzerem Thema gibt es übrigens auch eine gelungene Monographie von Holger Riesch, die ich hier vor ein paar Jahren bereits besprochen habe.

 —————–


Keine SPQR-Verfilmung - aber Hörbuch-Tipp

Was wurde eigentlich aus der vor ein paar Jahren angekündigten TV-Verfilmung der ausgezeichneten SPQR-Romanreihe von John Maddox Roberts? Auf der Internet-Seite der Produktionsfirma ist jedenfalls tote Hose. Außer der alten Ankündigung findet sich dort nichts. 
Schade, man muss sich die Serie vermutlich abschminken, obwohl der Autor auf Facebook sogar schon gefragt hatte, welche Schauspieler sich seine Fans für die Hauptrollen vorstellen könnten. Andererseits bleibt uns so eine potentielle Enttäuschung erspart. Denn welche TV-Serie war jemals besser als die Romanvorlage?

Übrigens, es gibt mindestens einen der 13 Romane bei Youtube zum *hust* 'Probehören'. Selbstverständlich verlinke ich nicht direkt drauf, sondern weise nur auf den entsprechenden Suchbegriff hin: John Maddox Roberts Die Rache der Flußgötter (Deutsch)
Es geht in der knapp achtstündigen Geschichte um den Einsturz einer römischen Mietskaserne mit unzähligen Toten, Rache, ein sadistisches Ehepaar, Baupfusch, politische Morde, ein mit Leichen verstopftes Abwassersystem und Korruption bis in höchste Regierungskreise. 

Ich kann die Hörbücher dieser Reihe nur wärmstens empfehlen. Der Sprecher zählt zu den Besten, die mir je untergekommen sind und schafft es gemeinsam mit dem Autor, den Leser ins republikanische Rom von Cicero, Cato und Caesar zu versetzen. Eine wohl dosierte Menge Humor rundet die Sache perfekt ab.

 —————–

Problematische Farbcodes

Es ist mir an sich ziemlich wurscht, wenn in in der Merowingerzeit angesiedelte Darsteller Swastiken verwenden, denn im zeitlichen Kontext gibt es - objektiv betrachtet - daran nichts auszusetzen. Bedenklich wirds aber, wenn man - wie ich kürzlich in einem Darsteller-Blog gesehen habe - dafür ausgerechnet die Farben Schwarz, Weiß und Rot verwendet. Ich meine, wer hier die große Problematik nicht sieht, der ist nach meinem Dafürhalten dumm wie Bohnenstroh. Oder er macht dergleichen mit Absicht, was noch wesentlich schlimmer wäre.

—————–

Weitere interessante Themen: 



Sonntag, 6. Mai 2018

Buch: Die Konstantinische Petersbasilika am Vatikan in Rom

Vom 4. Jahrhundert bis zu ihrem Abriss im 16. Jahrhundert war die alte, im Auftrag von Konstantin dem Großen erbaute Petersbasilika die bedeutendste Kirche Roms und der Päpste.

In seinem Buch "Die Konstantinische Petersbasilika am Vatikan in Rom" gibt der Archäologe Hugo Brandenburg einen facettenreich Einblick in Architektur und Baugeschichte dieses Sakralbaus, der kurz nach der Legalisierung des Christentums im Römischen Reich entstand und in gewisser Weise den Anfang eines neuen Zeitalters markierte.
In übersichtlich geordneten Kapiteln widmet sich der Autor vielen Detailfragen; dazu zählen etwa Art und Herkunft der mitunter äußerst kostspieligen Baumaterialien, die Farbe des Außenverputzes (himmelblau!) und die in bestimmten Bereichen nur nachlässig ausgeführten Steinmetzarbeiten - ein Merkmal, das für den langsamen handwerklichen Niedergang der Spätantike typisch ist, wie es heißt.

Das Buch zeichnet sich durch etliche ausgezeichnete Rekonstruktionsgrafiken aus, die die Petersbasilika sozusagen wiederauferstehen lassen. Hier wird ersichtlich, was für eine Tragödie es ist, dass diese großartige Kirche im 16. Jahrhundert abgerissen wurde, um an der gleichen Stelle einen 'neumodischen' Renaissancebau zu errichten.

Es wäre sicher kein unzumutbarer Mehraufwand gewesen, wenn die in den Text eingewobenen lateinischen Zitate immer übersetzt worden wären, um so den Inhalt allen Interessierten zugänglich zu machen. Ebenfalls wurde auf ein Register verzichtet. Vorbildlich sind hingegen die zahlreichen Fußnoten. Der Kaufpreis beträgt knapp 25 Euro.

—————–

Weiterführende Informationen: 

Weitere interessante Themen auf diesem Blog: