Sonntag, 2. Juli 2017

Buch: Die ersten Christen in Rom

Im Buch Die ersten Christen Roms (Palm Verlag) schildert der Theologe Bernd Kollmann die bescheidenen Ursprünge und den steinigen Aufstieg der christlichen Gemeinde im antiken Rom. Der betrachtete Zeitraum erstreckt sich hierbei hauptsächlich von der Herrschaft des Kaisers Tiberius bis zum Pontifikat Leos des Großen im 5. Jahrhundert n. Chr.

Bereits zu Beginn der Ausführungen wird deutlich, dass die Geschichte der allerersten Christen Roms untrennbar mit jener der dort lebenden Juden verbunden ist. Lange wurde nämlich zwischen diesen beiden Gruppen von der römischen Staatsgewalt keine Unterscheidung gemacht; vielmehr galten die Christen in den Augen der Kaiser Tiberius, Caligula und Claudius lediglich als eine weitere jüdische Splittergruppe. Die moderne Forschung spricht hier zurecht von Judenchristen, da diese überwiegend dem Judentum entstammten und sich dessen religiösen Gebräuchen noch sehr stark verpflichtet fühlten; man ließ beispielsweise die Söhne beschneiden und besuchte z.T. weiterhin die Synagoge. Doch nicht zuletzt wegen den mehrfach befohlenen Ausweisungen zigtausender Juden aus Rom - zu denen eben auch Judenchristen gezählt wurden - verschob sich die Zusammensetzung der christlichen Gemeinde zusehends hin zu solchen Christen, die ihre Wurzeln nicht im Judentum, sondern in anderen Religionen, wie etwa dem römischen Staatskult, hatten. Dadurch verloren jüdische Gebräuche - z.B. die Beschneidung - innerhalb des Christentums rasch an Bedeutung. 

Die ersten Christen Roms waren - wie der Autor sehr anschaulich schildert - nicht zentral organisiert, sondern in Hausgemeinden, die oft nur aus wenigen Mitgliedern bestanden und untereinander einen eher lockeren Kontakt pflegten; Gottesdienste wurden vor allem in diesen kleinen, überschaubaren Kreisen gefeiert. Manch interessante Information dazu findet sich im Römerbrief des Paulus, wo sogar die Bezeichnungen mehrerer dieser Hausgemeinden genannt werden.
Neben Paulus, der mit großer Wahrscheinlichkeit selbst Rom besucht hatte, zählt Petrus zu den bedeutendsten Personen des frühen Christentums. An der Frage, ob auch er in Rom war, scheiden sich aber bis heute die Geister. Der (evangelische) Buchautor kommt jedoch aufgrund mehrer Indizien zu dem Schluss, dass die Anwesenheit des Petrus in Rom nicht unwahrscheinlich ist - was wiederum die historische Legitimation der Päpste rettet, da sich diese als Bischöfe Roms in der direkten Nachfolge des Apostels Petrus sehen. 

Die frühen Christen hatten an Problemen keinen Mangel. Neben den Querelen mit ihren jüdischen Konkurrenten wandte sich unter Kaiser Nero plötzlich auch die römische Staatsmacht gezielt gegen sie. Nach dem Brand von Rom, den man ihnen in die Schuhe schob, kam es zu den ersten großangelegten Christenverfolgungen in der Geschichte. Diese endeten mit der Hinrichtung von Tausenden. Zwar erließ Nero interessanterweise kein gezielt gegen Christen gerichtetes Gesetz, allerdings hatte er mit den von ihm angeordneten Hinrichtungen einen bösen Präzedenzfall geschaffen, der noch bis ins frühe 4. Jahrhundert unzählige Male Nachahmung finden sollte.
Neben äußeren Feinden waren es zusehends interne Auseinandersetzungen, welche die Christen Roms auf die Probe stellten. Immer wieder wurden Gegenkirchen gegründet, die zum Teil einen immensen Zulauf hatten. Mehrere der abweichlerischen Kirchengründer, die recht unterschiedliche Vorstellungen vom einzig wahren Christentum hatten, werden vom Buchautor näher unter die Lupe genommen. Darunter Markion, Donatus, Arius, Nestor, Eutyches usw. Spannend fand ich dabei, wie auch die Vertreter der noch schwachen Mainstream-Kirche (eine 'Amtskirche' gab es damals noch nicht) ihre Ansichten in Streitfragen immer wieder änderten. Das frühe Christentum, das wird dem Leser klar, war eine vergleichsweise pluralistische Religion, in der erst lange und mühsam um eine einheitliche Lehrmeinung gerungen werden musste. Und wer weiß, wohin sich all das hätte entwickeln können, wenn nicht die römische Staatsmacht ab dem 4. Jahrhundert das Christentum zunehmend vereinnahmt hätte.

Fazit: Die ersten Christen in Rom ist ein aus meiner Sicht erstaunlich kurzweiliges Buch. Ein potentiell zähes religiöses Thema wurde hier vom Theologen Bernd Kollmann in abwechslungsreicher, sachlicher, leicht verständlicher und gut strukturierter Form aufbereitet. Man muss kein gläubiger Christ sein, um den reichhaltig illustrierten Schilderungen mit Interesse folgen zu können. 

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3 Kommentare

  1. Und schon ist das Buch in meinem "Ich will es haben"-Ordner gelandet. Klingt nach einem fundierten Werk für die Recherche.

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    1. Das Buch ist tatsächlich gut und gemessen am Inhalt mit knapp 20 Euro Kaufpreis auch recht günstig.

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    2. Stimmt. Da habe ich schon teurere Werke gesehen.

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