Sonntag, 26. Februar 2017

Wie authentisch wird die neue Mittelalterbaustelle des Geschichtsparks Bärnau-Tachov? - Ein Interview mit dem Archäologen Stefan Wolters



Eine mittelalterliche Kaiserpfalz möchte man in Bärnau laut Medienberichten innerhalb von rund 20 Jahren errichten. Mehr noch: In dem oberpfälzischen Ort soll ein komplettes Archäo-Zentrum für Bayern und Böhmen entstehen. Von 3,3 Millionen Euro an Investitionen ist die Rede.
Über die Details dieses Vorhabens werde ich mich in folgendem Interview mit Stefan Wolters - dem wissenschaftlichen Leiter des Geschichtsparks Bärnau-Tachov – unterhalten. 



Sehr geehrter Herr Wolters, warum möchte man in Bärnau demnächst eine Kaiserpfalz bauen und nicht beispielsweise eine Kirche oder Burg? Besteht ein Bezug zwischen der geplanten Kaiserpfalz und der lokalen Geschichte? 
Was in der Presse immer Kaiserpfalz genannt wird, heißt in der Projektplanung eigentlich Reisestation Kaiser Karls IV. Bärnau liegt genau an der Trasse der Goldenen Straße, einem Altwegesystem, das von Nürnberg nach Prag und darüber hinaus führt. Bärnau ist der Grenzort direkt an der Grenze ins Tschechische und zudem genau auf der Mitte zwischen Nürnberg und Prag. Karl förderte diese Route und es gelang ihm durch Gebietskauf und –tausch sein Land um das sogenannte „Neuböhmen“ zu erweitern, so dass er auf eigenem Territorium bis Lauf kurz vor Nürnberg reisen konnte. Auf seinen zahlreichen Reisen nächtigte er in Städten, die er oft zum Erhalt der Treue und Gewogenheit mit Privilegien beschenkte. Die tschechischen Kollegen gehen aber auch davon aus, dass er auf seinen Strecken eigene Reisestationen unterhielt, um nicht auf fremdes Wohlwollen angewiesen zu sein. Den idealtypischen Nachbau einer solchen Reisestation wollen wir hier als Rahmen unserer experimentellen Mittelalterbaustelle erstellen.
Karl IV ist bekanntlich hochverehrt in der tschechischen Geschichtsschreibung („Pater patriae“) und so lag es nahe, im Zeitraum des 14. JH. etwas auszuwählen, das mit ihm in Verbindung steht. Direkt vor Ort gibt es aber keinen archäologischen Nachweis einer solchen Anlage und im Gegensatz zu unseren bisherigen Bauten wird es keine Rekonstruktion aus einem spezifischen Grabungsbefundkomplex sein.

Also keine Kaiserpfalz, sondern eine kaiserliche Reisestation. Ich danke Ihnen, dass Sie diesen Punkt richtiggestellt haben und - im Gegensatz zu ähnlichen Projekten - nicht aus Marketing-Gründen falsche Superlative verwenden.
Welche Abmessungen wird der Komplex haben? Welche einzelnen Gebäude sollen entstehen? An welchen historischen Quellen wird man sich orientieren? Wann ist der Spatenstich? Und gibt es schon einen detaillierten Bauplan?
Die Zusammenstellung der einzelnen Gebäude orientiert sich an dem Nutzungskonzept einer solchen Reisestation: Es handelt es sich um einen Pallas zur standesgemäßen Unterbringung, einer kleinen Kapelle, zwei Ställen / Werkstätten, die auch Unterkunfts- und Lagermöglichkeiten bieten, einem festen Torhaus mit Wachstube, sowie einer umgebenden Mauer, die sowohl Schutz bieten soll, als auch eine Rechtsgrenze bildet. Die zwei untergeordneten Bauten werden in Fachwerktechnik errichtet, bei allen anderen Gebäuden handelt es sich um steinerne Massivbauten.
Das umbaute Areal wird am Ende ungefähr 35 x 40m betragen. Zur Beantragung musste natürlich zunächst ein Plan erstellt werden, wobei ich auf existierende Gebäude passender Zeitstellung und bauforscherische Untersuchungen zurückgriff oder von diesen Gebäuden typische Abmessungen, Konstruktionsweisen, Stilelemente und ähnliches verwendete, um so einen verständlichen Eindruck des Projektes und seiner Dimensionen zu vermitteln.
Trotz der Recherche ist der Plan jedoch lediglich eine Visualisierung, er gibt quasi einen Rahmen vor. Die zur Anwendung kommenden Details und Techniken der tatsächlich entstehenden Bauwerke, werden in wissenschaftlichen Seminaren von den Unis erarbeitet und dann hier umgesetzt.
Es ist natürlich unmöglich im Detail schon in der Antragsphase die Bauzeit oder gar den genauen Materialbedarf festzulegen und so kann es sich hier nur um Näherungswerte handeln, nichtsdestotrotz bildet der eingereichte Plan natürlich den „roten Faden“ für die Ausführung, denn man kann ja nicht komplett ins Blaue hinein bauen und grobe Richtwerte zur Kalkulation, zur Materialbeschaffenheit, zur Größe und zu geplanten Gebäudearten müssen angeboten werden.
Als Zielsetzung steht jedoch ein fertiges Gebäude, sondern vielmehr der Weg dorthin. Die Reisestation ist sozusagen ein Freiluftlabor, in dem sich Archäologen, Bauforscher und vielleicht sogar Restauratoren verschiedensten Techniken, Handwerken, (Re-)Konstruktionsweisen und Nutzungsversuchen nähern können.
Baubeginn des Gesamtprojektes ist der offizielle Spatenstich am 29. März 2017, hier wird mit dem modernen Gebäude der „ArchaeoWerkstatt“ begonnen, im Sommer 2017 soll das Mittelalterareal begonnen werden, doch spielt hier natürlich auch die ungleich kompliziertere Genehmigungsprozedur eine Rolle.
Ich möchte Ihnen hier noch keinen Plan an die Hand geben, er ist nicht zur Publikation oder zur öffentlichen Diskussion geeignet, solange wir ihn mit den Projektpartnern noch nicht zu Ende besprochen haben. Zwar wäre es mit den Erläuterungen dieses Interviews unmissverständlich, doch kann man nicht davon ausgehen, dass er immer mit dem Text geteilt würde und es wäre mir zu umständlich auf all die zu erwartenden fehlgeleiteten Diskussionen einzugehen.

Der Geschichtspark Bärnau-Tachov verfügt bereits jetzt über etliche im Mittelalter angesiedelte Gebäuderekonstruktionen (siehe obiges Bild), die immer wieder von Living-History-Darstellern belebt werden. Erweitert man die Anlage um eine kaiserliche Reisestation aus rein wissenschaftlichen Gründen oder spielen auch wirtschaftliche Interessen seitens der Geldgeber eine wichtige Rolle?
Diese Frage scheint mir insofern wichtig zu sein, da die Erfahrung mit ähnlichen Projekten leider gezeigt hat, dass der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn gerne mal zugunsten der touristischen Vermarktung hintangestellt wird. Oder wie Faust sagt: Am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles …
Wie Sie sicher wissen, sind wir ein vereinsgetragenes Museum, das seinen Unterhalt aus seinen Einnahmen generiert, darum liegen bei uns wissenschaftliche und wirtschaftliche Interessen nicht allzu weit auseinander. Angesichts des Arbeitsaufwandes und des persönlichen Einsatzes ist es erwiesenermaßen auch eine „Überzeugungstat“, unser Projekt weiter zu entwickeln. Momentan haben wir 30 Nachbauten in drei Zeitfenstern (9. JH. – 11. JH. – 12./13. JH.) und haben uns auf den regionalen Holzbau spezialisiert. Die Entscheidung nun auch das 14. JH. zu thematisieren und den Steinbau zu betrachten hat aber auch museale Hintergründe. Es gibt in der Region das sehr gute klassische Freilandmuseum Neusath-Perschen, mit seinen translozierten Häusern des späten 16. bis 20. JH., wenn wir nun mit unseren Nachbauten die Lücke schließen, kann man die technologische und strukturelle Entwicklung unserer Wohnkultur mit dem Besuch von zwei Museen abdecken.
Ich mache aber auch keinen Hehl daraus, dass die Beteiligung dreier namhafter Universitäten aus Deutschland und Tschechien uns unserem „Traum“ einer (wenigstens) Teilinstitutionalisierung und somit einer Existenzsicherung näher bringt.
Der Nachbau unserer spätmittelalterlichen Reisestation ist aber auch nur ein Aspekt des neuen Projektes „ArchaeoCentrum Bayern – Böhmen“.
Beginnen werden wir mit dem Bau der „ArchaeoWerkstatt“, einem Gebäude mit Labor-, Büro- und Veranstaltungsflächen, in dem Archäologen der Universitäten Bamberg, Pilsen und Prag mit ihren Studenten Fundmaterial analysieren und untersuchen können. Hieraus soll die Konzeption von Versuchen zur experimentellen Archäologie folgen und schließlich in der Freifläche des Museumsareals die Umsetzung dieser Versuche. Bei dem gesamten Prozess ist die Öffentlichkeit zugelassen und erwünscht. In den drei Jahren Projektdauer sind an die 200 Veranstaltungen vorgesehen, wie Workshops, Vorträge, Ausstellungen und Exkursionen, zusätzlich zu den Forschungsarbeiten, die in der Vorbereitungsphase sind. Ab März wird es einen Veranstaltungskalender geben und wir steigen in die Bewerbung der grundsätzlich kostenfreien Veranstaltungen ein. Wir beginnen mit einem Auftaktvortrag und der Logo-Vorstellung am 28.02.2017 in Pilsen, am Westböhmischen Museum, einem unserer Partner. Das Ziel ist es, ein Bewusstsein zu wecken, für den historisch gewachsenen gemeinsamen Kulturraum beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze.
Da die Zeit von der Genehmigung des EU-Projektes Ende Dezember 2016 bis zum Projektstart im Januar 2017 doch sehr kurz war, beginnen wir öffentlich mit einer Vortragsreihe, während wir hier in Bärnau auf absoluten Hochtouren den Bau der ArchaeoWerkstatt vorantreiben (inklusiver aller Genehmigungen) die innerhalb eines Jahres fertiggestellt werden soll. Im Sommer wird dann die Mittelalterbaustelle starten.

Die gesamte Bauzeit soll 20 Jahre betragen. Gibt es innerhalb dieses Rahmens klar definierte jährliche Bauziele? Wäre es in finanzieller Hinsicht problematisch, falls es länger als geplant dauert? Und worauf beziehen sich die von Ihnen genannten "drei Jahre Projektdauer"?
Wir starten unser Vorhaben mit einem grenzüberschreitenden EU-Projekt. Für dessen dreijährige Förderzeit haben wir einen Veranstaltungsplan mit unseren Partnern ausgearbeitet und mussten natürlich auch einen Bauzeitenplan einreichen.
Zunächst war es schwierig den Gremien zu vermitteln, dass wir hier nicht etwas anfangen, was nach drei Jahren fertig da steht (dies ist die übliche Annahme bei EU-Projekten). Daraufhin haben wir die Nachhaltigkeit nachgewiesen (niemand möchte nach drei Jahren eine Bauruine in der Landschaft stehen haben) und ein Betriebskonzept für die Zeit nach der Förderung geschrieben; hierzu gehört auch ein gemeinsames Memorandum der beteiligten Universitäten, in dem sie eine Zusammenarbeit über die Projektdauer hinaus vereinbaren.
Nach Abschluss der dreijährigen Projektphase soll der moderne Bereich bereits gut eingespielt laufen und regelmäßig von den Studenten der beteiligten Unis genutzt werden.
Die Reisestation sollte mit umlaufender Mauer und allen Gebäuden aus dem Fundamentbereich heraus sein, damit Besucher Größe und Struktur erfassen können. Eines der Fachwerkgebäude und das Torhaus mit anschließenden Mauerpartien sollten bis in den Dachstuhlbereich fertiggestellt sein, damit auch Zimmerei und Dachdeckung gezeigt werden können.
Von Anfang an ist unser „Freiluftlabor“ als Dauerbaustelle konzipiert gewesen, so dass es eigentlich die Problematik der Verzögerung nicht gibt und wir die Bauzeit für die Reisestation ohnehin nur auf Wunsch der Presse so genau mit 20 Jahren spezifiziert haben.

Wie viele Personen werden sich am Bau des Gebäudekomplexes beteiligen? Und wer wird die Hauptlast der zu bewerkstelligenden Arbeiten tragen? Festangestellte? Vereinsmitglieder / Ehrenamtliche? Oder wird man eine Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur anstreben, um auf sogenannte 1-Euro-Jobber zurückgreifen zu können – wie das bei ähnlich gelagerten Projekten der Fall ist?
Den Geschichtspark haben wir fast komplett mit ehrenamtlichen Kräften gebaut. Der Verein hat derzeit ca. 600 Mitglieder und in ca. 55.000 Stunden wurde das größte archäologische mittelalterliche Freilichtmuseum Deutschlandes errichtet – dies war eine tolle und mitreißende Erfahrung, doch waren wir uns alle einig, dass sie einmal reicht. Im neuen Projekt wird verstärkt auf Fachkräfte zurückgegriffen. Der moderne Bauteil wird komplett beauftragt und der Verein liefert hier nur zu.
Ein Problem vieler Ansätze in der experimentellen Archäologie ist die Tatsache, dass die wissenschaftliche Motivation und das Engagement häufig nicht mit handwerklichen Fertigkeiten vergemeinschaftet sind. Wir werden natürlich vieles mit Studenten und interessierten Laien bauen und durchführen, doch werden zu deren Anleitung stets vier festangestellte Handwerksmeister zugegen sein, jeder Workshop, jedes Experiment wird zudem von Archäologen der beteiligten Universitäten überwacht und dokumentiert und ich werde von dem Trägerverein in eine Anstellung an der Uni Bamberg wechseln und ständig vor Ort die Gesamtkoordination leisten. Außerdem sind zwei Projektleiter eingestellt, einer für die Vernetzung mit Tschechien und eine für den kaufmännischen Bereich. Der Trägerverein bildet die Verbindung in die Region und der Wissenschaftliche Beirat, der bereits für den Geschichtspark als „Kontrollorgan“ fungierte begleitet auch das neue Projekt, zusammen mit den Lehrstuhlinhabern und den beteiligten Museumsleitern aus Prag und Pilsen.
Mitarbeitsmöglichkeiten wird es auch in Form von Praktika geben, außerdem stehen wir in Kontakt mit dem Europäischen Freiwilligendienst und über die Jugendbauhütte kann man sich für ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege bewerben.
Mit all diesen Möglichkeiten konnten wir bereits beim Bau des Geschichtspark gute Erfahrungen sammeln, doch wird sich ihre Funktionalität am neuen Projekt natürlich erst erweisen müssen.

Dem Vernehmen nach sollen nur handwerkliche Methoden und Werkzeuge des Mittelalters im Rahmen Ihres Bauprojekts Verwendung finden. Trifft dies zu? Oder wird man, etwa beim Planieren des Baugrundes, nicht mitunter doch auch auf modernes Gerät zurückgreifen, damit es schneller geht? Selbst bei der von den Medien viel gerühmten Mittelalterbaustelle Guédelon wurde ja dergestalt ‘gemogelt‘.
Tatsächlich ist dies ein heiß diskutiertes Problem und es gibt für beides ein Für und Wider, die Planie des Baugrundes und das Ausheben der Fundament sind natürlich Arbeiten, die lang und unspektakulär sind, wenn man nicht über erhebliche Personalmengen gebietet. Wir werden natürlich auch immer ein Projekt mit großer öffentlicher Wahrnehmung sein und wenn man nach einem Jahr noch immer bei den Erdarbeiten ist, könnte eine ziemliche Ernüchterung eintreten – andererseits, wie sollten denn ernstzunehmende Aussagen oder gar experimentelle Archäologie im Bereich der Großbautechnologie möglich sein, wenn man von vornherein mit modernen Maschinen arbeitet. Vielleicht ist eine Mischform denkbar?
Wenn man einen Teil der Fläche mit Originaltechniken vorbereitet und einen Teil dann aus den genannten Gründen maschinell, dann ließe sich sogar noch ein direkter Vergleich der gewonnenen Resultate ziehen. Dem Fundamentgraben dürfte es letztendlich „egal sein“, ob er von Hand oder mit dem Bagger ausgehoben wurde, doch die Verdichtung des umgebenden Baugrundes und damit zum Beispiel die Drainagefähigkeit spielt natürlich schon eine Rolle.
Was aber komplett unterbleiben muss, ist es, moderne Konstruktionsweisen anzuwenden, also zum Beispiel den Baugrund komplett abzuschieben und aufzuschottern oder moderne Hilfsfundamente anzulegen. Fest steht, dass auf jeden Fall in allen Bauschritten mit Originaltechniken und Werkzeugen begonnen werden muss, bis eine belastbare Datengrundlage über die jeweilige Technik vorliegt. Im Verein, auf der Projektleiterebene und im Wissenschaftlichen Beirat gibt es derzeit ein klares Votum für einen völligen Verzicht auf moderne Methoden.
Wir werden unsere Erfahrungen sammeln und dynamisch entscheiden, wie insgesamt zu verfahren ist. Auf keinen Fall darf hier aber verschleiert oder schöngefärbt werden, werden Kompromisse nötig, so gehören diese benannt und erklärt (aber am besten vermieden!).

Diese Einstellung gefällt mir. Wie stark funkten Ihnen aber bisher die Behörden bei Ihrem Bestreben dazwischen, möglichst authentisch zu bauen? Wurden z.B. konkrete Auflagen zur Konstruktionsweise von Gebäuden erteilt, die eigentlich nicht mit den historischen Quellen konform gehen?
Während ich vom Bajuwarenhof Kirchheim gehört habe, dass es dort diesbezüglich keine nennenswerten Probleme gab, wird seitens der Mittelalterbaustelle Campus Galli der Eindruck erweckt, dass aus Gründen der Statik selbst simple Fachwerkbauten  mit anachronistischen Stahlarmierungen an überdimensionierten Mörtel-Fundament verankert werden müssen.
Weder bei den Vorgesprächen zum neuen Projekt, noch bei der Umsetzung der bisherigen Bauten mussten wir durch behördliche Auflagen von den mittelalterlichen Bauweisen abweichen. Es gab keine Metalleinbauten, Betonfundamente, Konservierungsmethoden oder konstruktive Einwände. Unsere Pfosten ruhen auf Unterlegsteinen im Erdreich und sind durch Hitzeeinwirkung oder Holzteer geschützt.
Komplexe, archäologisch nachgewiesene Holzverbindungen geben den Häusern ihre Standfestigkeit.
Lediglich im Bereich der Schindeldeckung haben wir häufiger Nägeln aus Eisen verarbeitet, als es die Sozialstruktur unserer dörflichen Bauten nahelegen würde. Archäologisch ist der Nachweis für die Schindelnägel dieser Zeitstellung zwar erbracht, doch hätte die einfache Bevölkerung doch wohl eher auf Holzstifte zurückgegriffen.
Leider wurden aber im Bereich der Besuchersicherheit Treppengeländer vorgeschrieben, wo ich keine rekonstruiert hätte (z.B. am Aufgang zur Turmhügelburg), hier war die einfache Vorgabe: Begehbarkeit für Museumsbesucher oder kein Geländer. Dies sind aber alles Punkte, auf die die Museumsführer auch offen hinweisen.
Ein großes Problem wird meiner Meinung nach die Frage des Arbeitsschutzes auf der neuen Baustelle sein. Ich bin nicht bereit im steinernen Massivbau Leib und Leben unserer Mitarbeiter zu riskieren und auf Sicherheitsschuhe, Helme, Handschuhe oder Schutzbrillen (für Steinmetze) zu verzichten, um pittoreske Baustellenbilder zu kreieren. Vergleichbare Projekte einschließlich Guedelon, konnten dort noch keine annehmbaren Lösungen liefern und eigentlich würde ich dann lieber auf Mittelalterkostüme auf der Baustelle verzichten – außer an speziellen Aktionstagen mit abwägbarem Risiko!
Hier führen wir auch noch engagierte Diskussionen im Team und eine letztendliche Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Beim Bauen soll Ihnen - wie Sie bereits erwähnten - ein wissenschaftlicher Beirat zur Seite stehen. Die Erfahrung mit ähnlichen Projekten hat freilich gezeigt, dass es häufig eine Art Fehlschluss ad auctoritatem ist, sich auf die Qualitätskontrolle durch solche ehrenamtlich engagierten Hochschulprofessoren zu verlassen. Können Sie etwaige Zweifel in Bezug auf den Beirat des Projekts zerstreuen? In welcher Form sind seine Mitglieder konkret eingebunden?
Für die Sicherung von Qualität und wissenschaftlicher Relevanz wurde ein Wissenschaftlicher Beirat eingesetzt. Dieser tagt mindestens zweimal pro Jahr und überprüft die fachliche Qualität der Arbeiten und Rekonstruktionen vor Ort und bewertet und unterstütz die fachliche Vernetzung in verschiedenen Gremien. Vor wichtigen Bauabschnitten erfolgt eine gesonderte Konsultation.
Der Beirat besteht aus anerkannten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen: Prof. Dr. Ingolf Ericsson, Inhaber des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Leiter des Zentrums für Mittelalterstudien an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, PD Dr. Hans Losert, Dozent an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und Feldarchäologe, Dr. Hauke Kenzler, wissenschaftlicher Assistent an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Dr. Michael Henker, ehemaliger Direktor der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern, Dr. Silvia Codreanu-Windauer, Leiterin der Außenstelle Regensburg des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Dr. Jochen Haberstroh, stellvertretender Leiter des Referats Mittelalter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Magr. Milan Meltička, Leiter der Prähistorischen Abteilung des Westböhmischen Museums, sowie neuberufen Dr. Tobias Appl, Bezirksheimatpfleger Oberpfalz.
Alle Pläne werden in diesem Gremium vorgestellt und diskutiert, die Bauten im Gelände begangen und besprochen – mehr kann ein Beirat nicht leisten.
Die Mitglieder haben mir deutlich zu verstehen gegeben, das sie nicht lediglich zur Akklamation des Projektes da sind und waren in engagierten Diskussionen schon oft eine große Hilfe. Eine zweite Komfortfunktion für mich ist außerdem, dass ich mit ihrer Hilfe allzu volkstümliche Vorschläge aus Reihen des Vereines wie z.B. Badehaus o.ä. im Keim ersticken kann.
Neben dem Beirat ist der Austausch mit Fachkollegen von großer Wichtigkeit. So ist der Geschichtspark Mitglied im Deutschen Museumsbund, EXARC, einem Zusammenschluss archäologischer Freilandmuseen Europas und der EAA, der European Association of Archeologists. Darüber hinaus kam es zu fachlichen Kontakten mit etablierten Museen wie den Freilandmuseen Bad Windsheim und Neusath-Perschen und zu thematisch vergleichbaren Einrichtungen wie der Slawenburg Raddusch, dem Freilandmuseum Düppel in Berlin, dem Ukranenland in Mecklenburg und zahlreichen weiteren Anlagen.
Wenn Sie hier von Zweifeln sprechen, so müssten Sie diese konkretisieren, denn ich sehe keinen Anlass dazu.

Zweifel meinerseits sind eher genereller Natur und fußen auf Erfahrungen mit dem bereits oben erwähnten Campus Galli, dessen Wissenschaftlicher Beirat primär Feigenblatt-Charakter besitzt - das schließe ich u.a. aus Gesprächen mit Mitgliedern eben dieses Beirates. Die von Ihnen dargelegte Situation in Bärnau will mir da schon deutlich vielversprechender erscheinen.
Ihnen muss sicher niemand den Unterschied zwischen Museumspädagogik, Living History und Experimenteller Archäologie erklären, da Sie in all diesen Bereichen ausreichend Erfahrung sammeln konnten. Sie wissen andererseits aber sicher, dass Freilichtmuseen simple Museumspädagogik - wie z.B. das Brennen von Keramikgeschirr - gerne vorschnell in den Rang Experimenteller Archäologie heben, weil sich das spannend anhört und gut vermarkten lässt. Wird man bei Ihnen diesbezüglich eine schärfere Trennung vornehmen?
In unserem Veranstaltungsprogramm sind dies zwei völlig getrennte Schienen: Archäotechnik kommt natürlich im Bau und in der Museumspädagogik zum Tragen und auch viele der Workshops werden in diese Kategorie fallen. Die beteiligten Universitäten werden ihre Prüfungsordnungen ändern und das Modul Experimentelle Archäologie verbindlich in den Ausbildungskanon aufnehmen, das hier dann scharfe Richtlinien hinsichtlich Fragestellung, Versuchsaufbau, Dokumentation und Reproduzierbarkeit angewandt werden, versteht sich also von selbst, schließlich riskieren diese Institutionen ihren fachlichen Ruf und stehen sozusagen unter wissenschaftlicher Beobachtung.
Da wir planen auch den Bereich der experimentellen Archäologie als allgemein zugängliche Veranstaltung anzubieten, wird es auch hier spannend werden, wie es angenommen wird und inwieweit es „in reiner Form“ umsetzbar ist.

Wird der Fortschritt des Projekts auch im Internet zu verfolgen sein – z.B. über ein Bau-Blog?
Sinnvoll wäre es allemal, wünschenswert auch. Ich hoffe, dies ist ein Bereich, der über den ehrenamtlichen Weg abgedeckt werden kann, zumal ich nicht besonders internetaffin bin. Schon aus Gründen der Öffentlichkeitsarbeit, der Verbreitung und der Wahrnehmung sollte dies geschehen...ich sage also mal optimistisch ja.

Werden Publikationen mit wissenschaftlichem Anspruch über die Ihr Bauvorhaben erscheinen? Wenn ja, wo und in welcher Form?
Die Arbeit der Universitäten wird natürlich zu einem verstärkten Output wissenschaftlicher Aufsätze und Artikel führen. Zu einzelnen Aspekten werden auch gezielt Forschungsarbeiten entstehen.
Schon bei der Errichtung des Geschichtsparks sind unglaublich viele Aspekte der Rekonstruktion aber auch der vermittelnden Museumsarbeit aufgetreten, die eine Publikation verdienen würden, leider erweise ich selbst mich hier immer wieder als „Flaschenhals“, da die Ausführung, der Betrieb, die Betreuung, die Konzeptionierung und vieles mehr zu meinem Aufgabebereich gehört – es erweist sich hier das Tagesgeschäft als Hemmschuh für eine adäquate wissenschaftliche Aufarbeitung.
Ich bin aber guter Dinge hier etwas zu ändern, zumal wir vor Ort an einer Tagungsreihe mit entsprechender Publikation arbeiten und über die verstärkte Mitarbeit in diversen Museumsgremien (Exarc, EAA) eine erhöhte Artikelnachfrage besteht.

Vielen Dank, dass Sie so ausführlich Auskunft gegeben haben. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Vorhaben.
Die Leser sind natürlich herzlich eingeladen, im Kommentarbereich ihre Meinung zum geplanten Bauprojekt in Bärnau kundzutun. 

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Weiterführende Informationen:

Donnerstag, 23. Februar 2017

Krimskrams: Gab es Bücher in Kodex-Form schon im 8. Jh. v. Chr.? -- Warum kein Inhaltsverzeichnis?

Bei Wikipedia behaupten sie folgendes: 
Die Papyrusrolle blieb bis in das 2. Jh. n. Chr. die vorherrschende Buchform. Daneben gab es bereits seit dem 6. Jh. v. Chr. in Griechenland Frühformen des Kodex. Sie bestanden, wie wir von bildlichen Darstellungen (z. B. Schreiberstatuen von der Athener Akropolis) wissen aus zusammengehefteten, manchmal gewachsten Holztäfelchen.
Im ausgezeichneten Buch Formen und Stile: Antike (Benedikt Taschen Verlag, 1994) stieß ich hingegen kürzlich auf nachfolgende Darstellung einer antiken Grabstele. Darauf scheint ein Buch in Form eines Kodex abgebildet zu sein, das satte 200 Jahre vor dem von Wikipedia genannten Zeitpunkt angesiedelt ist; weiters sieht das Objekt keineswegs wie die zusammenklappbaren Wachstäfelchen aus, die bei Wikipedia als Kodex-Frühform genannt wurden, sondern vermittelt bereits den Eindruck eines typischen gebunden Buches, wie wir es z.B. aus dem Mittelalter kennen; sogar eine Buchschließe (?) ist vorhanden.

Oder haben wir es hier mit etwas zu tun, das nur zufällig eine außergewöhnlich große Ähnlichkeit mit einem Kodex besitzt?
Ein klein wenig stutzig macht mich nämlich der Umstand, dass sich die gestapelten Buchseiten (?) am Rand deutlich nach außen wölben; üblich ist nämliche eine konkave Form (oder zumindest sollten die Seiten gerade abfallen). Doch vielleicht handelt es sich bei dieser Darstellung lediglich um einen künstlerischen Mangel?
Etwas merkwürdig erscheint mir auch der Umstand, dass das 'Buch' entweder auf dem Kopf stehend oder von der Rückseite gezeigt wird. Aber eventuell hängt das mit der damals in dieser Weltgegend verbreiteten umgekehrten Schreibrichtung zusammen (ok, das ist eventuell eine extrem gewagte These)? Oder ist die abgedruckte Zeichnung einfach nur spiegelverkehrt - aus welchem Grund auch immer?

Fragen über Fragen - Buch aus dem 8. Jh. v. Chr. oder doch nicht?



Grabstele aus Kalkstein
(Südosttürkei, 8. Jh. v. Chr.)

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Warum kein Inhaltsverzeichnis?

Verlage sollten auf ihren Internetseiten den Infotexten der angebotenen Fach- und Sachbücher generell das jeweilige Inhaltsverzeichniss beifügen. Dieses sagt über den Inhalt oft mehr aus, als manch oberflächlicher Klappentext. Aber den meisten Verlagen scheint so ein einfacher Copy&Paste-Vorgang zu viel Arbeitsaufwand zu sein ...

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Dienstag, 21. Februar 2017

Hörbares: Von kleinen Gemächten großer Statuen -- Die Nibelungen -- Mit Kupfer aus der Steinzeit -- Geschichte der Satzzeichen -- Geschichte der Informationskontrolle

Zu kurz gekommen? Von kleinen Gemächten großer Statuen | Spieldauer 10 Minuten | Das geheime Kabinett | Stream & Info | Direkter Download

Die Nibelungen - Ein deutscher Mythos | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Mit Kupfer aus der Steinzeit - Wie der Mensch das erste Metall nutzte | Spieldauer 22 Minuten | ARD/BR | Stream & Info | Direkter Download

Punkt, Punkt, Komma, Strich - Die Geschichte der Satzzeichen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Zensur in der Literatur - Zur Geschichte der Informationskontrolle | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download


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Montag, 20. Februar 2017

Video: Goldschatz von Bernstorf - Zweifel an Echtheit bleiben

Goldschatz von Bernstorf - Zweifel an Echtheit bleiben | Spieldauer 8 Minuten | ARD/BR | Stream & Info 

Das Kasperltheater um den bronzezeitlichen Fund geht offensichtlich lustig weiter. Naturwissenschaft vs. Geisteswissenschaft - mehr oder weniger.
Sehr verdächtig will mir jedenfalls der Umstand erscheinen, dass das kritische Gutachten einer Expertin in einer aktuellen Publikation zum Schatz ausgespart wurde.

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Sonntag, 19. Februar 2017

Buch: Selbstbetrachtungen (Marc Aurel)


Der Anfang von Roms Ende lässt sich mit guten Gründen bereits in der Regierungszeit des Kaisers Marc Aurel verorten. Eine verheerende Pest-Epidemie schwächte Land und Leute, während die germanischen Markomannen - als Vorboten der noch bevorstehenden Völkerwanderungszeit - Rom in einer bis dahin kaum gekannten Massivität militärisch herausforderten.
Während den sich über viele Jahre hinziehenden Feldzügen verfasste Marc Aurel in seinem Quartier an der Donau die heute als Selbstbetrachtungen bezeichnete Sammlung von Essays unterschiedlicher Länge: manche bestehen aus nur wenigen Zeilen, andere wiederum sind etwas umfangreicher.

Über die philosophische Qualität der vom Autor zu Papier gebrachten Gedanken maße ich mir kein Urteil an. Dazu fehlt mir die Qualifikation. Außerdem stehe ich der Philosophie ähnlich distanziert gegenüber wie der mit ihr verwandten Religion. 
Warum aber habe ich mir die Selbstbetrachtungen dann überhaupt gekauft? Ganz einfach: Ich wollte mehr über Marc Aurel erfahren - aus erster Hand. Und in der Tat findet sich vor allem im allerersten der insgesamt zwölf 'Bücher', in die das Werk unterteilt ist, so manch Persönliches aus dem Leben des Kaisers: Beispielsweise bedankt er sich beim Urgroßvater dafür, zuhause unterrichtet worden zu sein, anstatt auf einer öffentlichen Schule (kein Wunder, bei dem fragwürdigen Ruf, den römische Schulen bzw. die dort gepflegten Unterrichtsmethoden bereits in der Antike genossen). Kleine Zweifel am Urteilsvermögen des Philosophenkaisers kamen allerdings bei mir auf, als er sich für die wunderbaren Kinder bedankte, die ihm seine Frau geschenkt hat; schließlich war es Marc Aurels Sohn und Nachfolger Commodus, der durch Fehlentscheidungen und aufgrund schwerer charakterlicher Mängel die Krise des Römischen Reichs vertiefte. Doch eventuell hatte sich Commodus zu Lebzeiten seines Vaters einfach nur gut verstellt, sodass diesem verborgen blieb, wie ungeeignet der Sohnemann für das Herrscheramt ist.

Die vom Nikol Verlag angebotene Übersetzung ist leider nur einsprachig und außerdem schon relativ alt. Sie stammt nämlich aus dem 19. Jahrhundert und wurde von Karl (Carl) Cleß verfasst. Trotzdem ist der Text erfreulicherweise auch heutigen Lesern ohne weiteres zumutbar (inwieweit eine Überarbeitung stattgefunden haben könnte, entzieht sich meiner Kenntnis). Auf erklärende Fußnoten muss man allerdings verzichten. 
Weil für die Übersetzung das Urheberrecht längst abgelaufen ist, kann sie der Verlag sehr günstig anbieten. So kommt es, dass für diese optisch schön gestaltete Hard-Cover-Ausgabe lediglich sechs Euro verlangt werden. Bei diesem niedrigen Preis kann man zugreifen, ohne dabei viel falsch zu machen.

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Weitere Informationen: 

Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

Mittwoch, 15. Februar 2017

Krimskrams: Blog-Beiträge vertonen? -- Hastings-Reenactment -- Market for lemons / Fake News -- usw.

Blog-Beiträge vertonen?

Aus dem "Urlaub" war bereits nach zwei Tagen ein Krankenstand geworden: Grippaler Infekt, nichts ging mehr.
Während ich deshalb tagelang im Bett lag und die Maserung der Holzdecke bewunderte, kam mir wieder einmal der alte Gedanke in den Sinn, ob ich nicht einige meiner längeren Blogbeiträge vertonen sollte? Bevor ich allerdings ein ordentliches Mikrofon bestelle und mich damit in den Wandschrank setze, um in dieser von Kleidung gedämpften Umgebung eine halbwegs semiprofessionelle Aufnahme hinzubekommen, erscheint es sinnvoll, erst einmal das Handy zu zücken und dort einen Blog-Text raufzusprechen - zu Testzwecken. Gedacht, getan. Das Ergebnis war freilich furchtbar. Nein, ich rede nicht von der Tonqualität, von der habe ich mir sowieso nichts erwartet. Vielmehr war meine Sprechweise das Problem. Ich hatte versucht, die einzelnen Wörter besonders deutlich auszusprechen, also z.B. die Enden nicht zu verschleifen. Das gelang zwar, doch hörte sich das Ergebnis so ähnlich an, als ob ich für die Deutsche Wochenschau über den Kriegsverlauf berichte ^^
Bevor ich also wider versuche Blogbeiträge zu vertonen, werde ich ein wenig Sprachtraining absolvieren, damit sich das für den Hörer halbwegs gut anhört. Mal sehen, ob ich bis zum Sommer diesbezüglich etwas zusammenbekomme. Ich werde mich jedenfalls bemühen.

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Hastings-Reenactment: Verwunderung eines Lesers

Mit mehrmonatiger Verzögerung meinte ein Leser, er habe sich gewundert, dass ich mich im Herbst in einem Blogbeitrag über das Hastings-Reenactment lustig gemacht habe. Schließlich sei ich doch selbst Living-History-Darsteller.
Na ja, gezielt lustig gemacht habe ich mich über diese Veranstaltung nicht, aber Schlachten-Reenactment hat aus meiner Sicht fast immer etwas Lustiges, schwer Unrealistisches und manchmal auch Peinliches an sich. Daher bevorzuge ich sowohl als Besucher wie auch als Darsteller das Lagerleben, welches nicht nur gemütlicher, sondern auch lehrreicher ist. Andererseits ist mir natürlich schon klar, dass besonders nachgestellte Schlachten Besucher anlocken. Von daher hat das auch seine Berechtigung.

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Market for lemons / Fake News

Eine Leserin meinte, in einer von mir verlinkten Radiosendung würde "leider ein ganz schöner Blödsinn verzapft" werden. Nachdem ich die kritisierte Stelle angehört habe, musste ich der Einschätzung zustimmen. Es wird nämlich seitens eines 'Experten' behauptet, der berühmte Abenteurer, Forschungsreisende und Experimentalarchäologe Thor Heyerdahl hätte mit seiner Atlantikfahrt im Nachbau eines altertümlichen ägyptischen Bootes zu beweisen versucht, der weiße Mann sei schon vor den Konquistadores als Kulturbringer in Erscheinung getreten und habe so die Grundlage für die Hochkulturen dunkelhäutiger indigener Völker wie den Inkas usw. gelegt. Das aber sei ja quasi rassistisch.

Zweifellos, wer solche unverschämten Unterstellungen absondert, der ist nicht ganz richtig im Kopf bzw. leidet unter ideologiebedingter Verdummung. Schließlich wollte Heyerdahl mit seinem ägyptischen (!) Schilfboot die Möglichkeit eines Kultur- und Wissenstransfers zwischen Ägypten und Südamerika aufzeigen. Die Ägypter wiederum waren aber nicht hellhäutig, ja sie waren nicht einmal Europäer!
Den Sendungsmachern hätte dieser offensichtliche Widerspruch zum in den Raum gestellten Rassismusvorwurf/Eurozentrismus eigentlich auffallen sollen, es sei denn, sie sind geistig bereits ähnlich degeneriert wie der interviewte 'Experte'. Was ich annehme, denn Alt-Medien und Geisteswissenschaften haben zunehmend eines gemeinsam: Sie sind das, was man in der Ökonomie einen 'market for lemons' nennt; eine Abraumhalde für diejenigen, deren Qualifikation nicht dazu reicht, einen guten Job auszuüben. Solche Leute sind nicht imstande, Fehler in der Aussagelogik zu erkennen. 
Aber, liebe Leser, haltet euch einmal vor Augen, dass es ausgerechnet solche Pflaumen sind, die sich ständig als Diskusrslinienrichter und Erklärer der Welt aufspielen. Einfach nur beängstigend!

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Unverhofftes bei Amazon

Da suche ich bei Amazon nach Isopropylalkohol - um damit Leiterplatten sowie ICs zu reinigen - und was bekomme ich vorgeschlagen? Das hier. (Pfui Teufel!)
Was für schräge Algorithmen laufen denn da bitteschön im Hintergrund? 😃

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Dienstag, 14. Februar 2017

Hörbares: Rätselhafte Minoer -- Attila und die Hunnen -- Thor Heyerdahl -- Erkundungen im Übernatürlichen




Die Minoer - Das rätselhafte Volk Kretas | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Thor Heyerdahl - Held der Meere und Vorreiter der Experimentellen Archäologie | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & InfoDirekter Download

Attila und die Hunnen - Das Kriegervolk aus der Steppe | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Geister, Gespenster, Spukerscheinungen - Erkundungen im Übernatürlichen | Spieldauer 27 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

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Montag, 13. Februar 2017

"Tu es!" - Das gewaltsame Ende des Scheusals Caligula



Caligula - der offiziell eigentlich Gaius hieß - gilt bis heute als einer der verruchtesten Kaiser des Römische Reichs. Möglicherweise war er in charakterlicher Hinsicht sogar der übelste - schlimmer noch als der infantile Nero, der eineinhalb Jahrzehnte später an die Macht kam.
Selbst wenn nur ein Bruchteil der überlieferten Untaten zutrifft, so dürfte Caligula doch ein äußerst boshafter Schurke gewesen sein, dem - geisteskrank oder nicht (Stichwort "Cäsarenwahn") - sehr viele unschuldige Menschen zum Opfer fielen.
Zwei typische Charaktereigenschaften Caligulas waren ein starker Hang zum Jähzorn und die Eifersucht auf die herausragenden Leistungen anderer Menschen. So kam es beispielsweise, dass der von Sueton als füllig und unbeweglich beschriebene Kaiser sich maßlos über den seiner Meinung nach zu großen Publikumsapplaus für einen siegreichen Wagenkämpfer ärgerte:
... da stürzte Caligula so eilig aus dem Amphitheater, dass er über den Zipfel seiner Toga stolperte und kopfüber die Stufen hinunter fiel (😃). Dabei schrie er außer sich vor Wut, dass das Volk, das die Welt beherrsche, aus völlig nichtigem Anlass einem Gladiator mehr Ehre erweise als dem vergöttlichten Fürsten oder ihm, der persönlich anwesend sei.(Sueton, Caligula 35, 3)
Weil Caligula (laut Sueton) schütteres Haar hatte (seine Porträt-Büsten sind wohl arg geschönt) ließ er angeblich sogar aus Neid einigen Männern mit vollem, lockigem Haar zwangsweise den Hinterkopf rasieren.
Besonders bekannt ist aber folgende Anekdote, mit der Sueton seinen Lesern wohl den schweren Dachschaden verdeutlichen möchte, unter dem Caligula gelitten haben soll:
Bei einem festlichen Bankett brach er (Caligula) plötzlich in schallendes Gelächter aus, und als die Konsuln, die ihm zur Seite lagen, sich höflich nach dem Grund seines Lachens erkundigten, sagte er: "Weshalb ich lache? Weil ein Wink von mir genügt, euch beiden auf der Stelle die Kehle durchschneiden zu lassen!" (Sueton, Caligula 32,3)
Man hat es hier also mit einem echten Ungustl zu tun, wie es in Österreich so schön heißt. Daher ist es wenig verwunderlich, dass Caligulas Umfeld im Laufe der Zeit eine tiefe Abneigung gegen ihn entwickelte. Die ständigen Schikanen und Drohungen wurden unter anderem Cassius Chaerea, einem altgedienten Soldaten und amtierenden Prätorianer-Tribun, zu viel. Gemeinsam mit anderen Offizieren der Prätorianergarde und mächtigen Freigelassenen schmiedete er einen Plan zur Beseitigung des Scheusals auf dem Kaiserthron. Ein äußerst riskantes Vorhaben, denn schon zuvor waren Verschwörungen gegen Caligula aufgedeckt worden, was für die darin verwickelten Personen und wohl auch manch fälschlich Beschuldigten zumeist einen schmerzvollen, langsamen Tod nach sich zog. Doch diesmal plauderte niemand. Sueton überliefert die dramatischen Ereignisse folgendermaßen:
Am 24. Januar (41 n. Chr.), etwa zur siebenten Stunde (= ca. 13:00 Uhr), war Caligula unschlüssig, ob er sich zum Mittagessen erheben sollte, da ihm die Speisen, die er am Vortag zu sich genommen hatte, noch schwer im Magen lagen; schließlich verließ er auf Zureden seiner Vertrauten das Theater. In dem überdachten Gang, den er durchqueren musste, trafen gerade vornehme Knaben, die aus Kleinasien herbeigeholt worden waren, um auf der Bühne aufzutreten, ihre Vorbereitungen; er blieb stehen, um ihnen zuzuschauen und gut zuzureden, und wenn der Leiter der Truppe nicht gesagt hätte, ihm sei kalt, wäre er an seinen Platz zurückgekehrt und hätte die Vorstellung beginnen lassen.
Für das, was dann geschah, gibt es zwei Versionen: Die einen erzählen, Chaerea habe den Kaiser, als er zu den Knaben sprach, von hinten mit einem kräftigen Schwerthieb am Nacken schwer verletzt, nachdem er zuvor "Tu es!" gerufen hatte. Dann habe der Tribun Cornelius Sabinus, der zweite Verschwörer, ihm von vorn die Brust durchbohrt. Nach dem anderslautenden Bericht ließ Sabinus die den Kaiser umgebende Menge (darunter laut Cassius Dio auch Caligulas Onkel und Nachfolger Claudius) durch eingeweihte Zenturionen entfernen, und fragte nach der Parole; als Caligula die Losung 'Jupiter' ausgab, soll Chaerea "Dein Wunsch sei erfüllt" gerufen und ihm, als er sich nach ihm umschaute, mit einem Schlag das Kinn gespalten haben. Als er zusammengekrümmt auf dem Boden lag und schrie, dass er noch lebe, gaben ihm die anderen Verschwörer mit dreißig Hieben den Rest. Für alle galt nämlich die Losung: 'Noch einmal!' Manche stießen ihm das Schwert sogar durch die Genitalien.
Beim ersten Lärm eilten ihm die Sänftenträger mit ihren Tragstangen zur Hilfe, bald darauf auch die germanischen Leibwächter und töteten einige der Attentäter und auch mehrere unschuldige Senatoren. (Sueton, Caligula 58,1-3)
Die Schilderung Suetons beinhaltet einen interessanten Punkt, der den meisten heutigen Lesern entgehen dürfte: Der Tribun Chaerea soll, als er Caligula mit dem Schwert in den Nacken hieb, "Tu es!" gerufen haben. Das war nicht einfach so dahergesagt, denn hierbei handelt es sich um eine religiöse Formel. Der römische Opferschlächter fragte nämlich den Priester vor dem Töten des Opfertieres: "Agone?" ("Soll ich es tun?"); woraufhin der Priester normalerweise antwortete: "Hoc age!" ("Tu es!"). Siehe dazu auch die obige Abbildung einer Opferszene.
Möglicherweise handelt es sich bei dieser Schilderung Suetons um eine bewusste Anspielung an eine Drohung Caligulas, der laut Cassius Dio einmal ausgerufen haben soll: 
O wenn ihr (das römische Volk) doch nur einen Nacken hättet! (Xiphilinos, 172,22-31)
Nun hatten ihm seine Mörder gezeigt, dass er selbst es war, der nur einen Nacken besaß. Sogar vom Fleisch des Ermordeten sollen einige Attentäter aus lauter Hass gegessen haben, berichtet Cassius Dio. Und er schließt seine fragmentarisch überlieferte Schilderung mit folgender lakonischer Bemerkung ab:
Nachdem Gaius (Caligula) in drei Jahren, neun Monaten und 28 Tagen all die berichteten Taten vollbracht hatte, musste er unmittelbar erfahren, dass er doch kein Gott war. (Xiphilinos 172, 20-22, Zonaras 11,7, Joann Antioch. fr. 84 M. (v. 11-14))
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Weiterführende Literatur: 

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Sonntag, 12. Februar 2017

Video: Frauen in gotischen Kriegergruppen

Frauen in gotischen Kriegergruppen | Spieldauer 50 Minuten | BR | Stream & Info

Prof. Hans-Ulrich Wiemer geht in diesem Video-Vortrag der Frage nach, welche Rolle jene Frauen spielten, die mit Theoderich dem Großen 474-488 auf dem Balkan umherzogen und schließlich in Italien angesiedelt wurden.

Dienstag, 31. Januar 2017

Das Blog pausiert



Hiltibold wandert in den Urlaub - das Blog muss daher pausieren. Am 12. Februar geht es hier wieder weiter. Bis dahin!

Video: Haut,- Knochen,- Hasen,- Fischleim und Gelatine -- Der "Juno"-Haarstil der Kaiserin Sabina

Antike Frauenfrisuren: Der Juno-Haarstil der Kaiserin Sabina

Janet Stevens rekonstruiert in diesem Video die Frisur der Ehefrau des Kaisers Hadrian mithilfe von einfachen Mitteln, wie sie wohl auch in der Antike gebräuchlich waren.




Haut,- Knochen,- Hasen,- Fischleim und Gelatine

Wer sich mit Rekonstruktionen historischer Objekte aus Holz beschäftigt, sollte nach Möglichkeit auf moderne Klebstoffe wie Weißleim verzichten. In folgendem Video bespricht ein Restaurator die Möglichkeiten, Holz mit natürlichen Mitteln äußerst wirkungsvoll zu verkleben.



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Sonntag, 29. Januar 2017

Buch: Houses and monuments of Pompeii

Pompeji zählt zweifellos zu den berühmtesten und umfangreichsten Denkmälern der Antike. Die Ruinen der im Jahr 79 n. Chr. von Vulkanasche verschütteten Stadt werden seit dem 18. Jahrhundert im großen Stil freigelegt, wobei es jedoch zu Beginn hauptsächlich um das Bergen von Kunstschätze ging, die den Sammlungen des Adels einverleibt werden sollten. Als sich diese Schatzgräberei dann im 19. Jahrhundert zur Wissenschaft der Archäologie weiterentwickelte, beschlossen die Brüder Fausto und Felice Niccolini eine mehrteilige Publikation zusammenzustellen, die Pompeji in seiner Gesamtheit einem breiteren Publikum bekanntmachen sollte: Ihr Titel war: Le case ed i monumenti di Pompei.
Nach über 40jähriger Arbeit konnte Antonio, der Neffe der beiden Brüder, das Werk im Jahr 1896 vollenden: Auf über 400 Farblithografien wurden Ruinen, Mosaike, Wandgemälde, Grundrisse von Häusern und vieles mehr großformatig dargestellt. Dem Betrachter wird aufgrund dieser Vielfalt ein facettenreicher Einblick in das Aussehen und Alltagsleben einer antiken Stadt gewährt.
Hinzu kommt, dass etliche der archäologischen Funde Pompejis aufgrund mangelhafter oder komplett fehlender konservatorischer Maßnahmen mittlerweile im Orignal nicht mehr existieren. Beispielsweise wurde ein im Buch abgebildetes Grabrelief, das außerordentlich interessante Details von Tierhatzen und Gladiatorenspielen zeigt, bereits kurz nach seiner Auffindung vom Winterfrost zerstört. Aus diesem Grund kann sich die heutige Forschung glücklich schätzen, zumindest auf die qualitativ hochwertigen Darstellungen der Brüder Niccolini zurückgreifen zu können.

Das Buch Houses and Monuments of Pompeii (Taschen Verlag) basiert, soweit ich das sagen kann, weitestgehend auf den ursprünglichen Publikationen von Fausto und Felice Niccolini. Allerdings wurde es unter anderem mit zwei interessanten Essays angereichert, die vom Kunstgeschichtler Sebastian Schütze und dem Klassischen Archäologen Valentin Kockel stammen. Letzerer ist auch für die erklärenden Texte verantwortlich, die den unzähligen Abbildungen beigefügt wurden. Sowohl die Essays wie auch die Bildtexte und weitere z.T. relativ umfangreiche Einschübe - in denen Beispielsweise auf Fehlinterpretationen bei bestimmten zeichnerischen Gebäuderekonstruktionen eingegangen wird - sind dreisprachig; Nämlich Englisch, Deutsch und Französisch. 

Abschließend möchte ich noch zwei kleine Kritikpunkte nennen: Es ist zwar sehr schön, dass man die archäologischen Funde mit großer Liebe zum Detail dargestellt hat, doch wäre es für den Leser von Vorteil, wenn diese Detailverliebtheit auch immer bei den dazugehörenden Bildtexten an den Tag gelegt worden wäre. Die sind nämlich beispielsweise bei den unten abgebildeten Gladiatoren-Helmen und medizinischen Geräten nur sehr rudimentäre ausgefallen. 
Auch verstehe ich nicht so ganz, warum der Verlag ein Papier verwendet hat, das in Längsrichtung eine rillenartige Struktur aufweist. Das fühlt sich zwar beim Blättern sehr gut zwischen den Fingern an, hat aber den Nachteil, dass diese Rillen bei einem bestimmten Einfallswinkel des Lichtes deutlich hervortreten. Manch Abbildung sieht dann aus wie das Produkt eines Tintenstrahldruckers, bei dem einige Düsen verstopft waren. Freilich, bei guter Raumausleuchtung fällt der beschriebene Umstand kaum ins Gewicht. Man sollte sich nur klar darüber sein, dass es sich hier um keine typischen Hochglanzdrucke handelt.

Fazit: Trotz der zwei kleinen Kritikpunkte gefällt mir das 649-seitige Buch in Summe recht gut. Alleine die Ausmaße von 8,9 x 40,6 x 48,3 cm - bei einem Gewicht von 5 kg - sind äußerst beeindruckend. Auch der Inhalt erschlägt den Leser aufgrund der schieren Menge an großformatigen Abbildungen regelrecht. Im Angesicht des Gebotenen relativieren sich daher auch die 150 Euro Kaufpreis.

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Da Bilder oft mehr als tausend Worte sagen, habe ich mit freundlicher Erlaubnis des Verlages folgende Beispiele aus dem Buch zusammengestellt, die einen kleinen Überblick geben, was den Leser erwartet.

Wer sich an die HBO-Fernsehserie Rome erinnert, dem dürfte die obige Abbildung eines Mosaiks bekannt vorkommen, da es zu Beginn des Vorspanns verwendet wurde. Zu sehen ist hier eine Setzwaage, die das Gleichgewicht vor dem Tod zwischen Reich (Links: Königsbinde, Purpurmantel, Lanze) und Arm (Rechts: Wanderstab, Überwurf und Beutel) symbolisiert. Auf dem Rad der Fortuna sitzt ein Schmetterling als Symbol der Seele.

Auf dieser Abbildung sind links verschiedenste medizinische Geräte zu sehen, die laut Beschreibung "in den Vesuvstädten" gefunden wurden - also wohl nicht ausschließlich in Pompeji, sondern auch in Herculaneum und Stabiae.

Funde von verschiedenen - mitunter außerordentlich prächtigen - Gladiatorenhelmen sind hier zu sehen. 

Sehr interessant ist die auf der rechten Seite abgebildete Badewanne aus Bronze, die aus einem Privathaus in Pompeji stammt und einen schönen Eindruck vermittelt, wie sich die Körperreinigung abseits der heute noch so berühmten Thermen gestaltete. Links sind Beispiele für Wachsetäfelchen abgebildet, die unter der Vulkanasche gefunden wurden.

Auf diesem Foto sind links einige archäologische Funde von Musikinstrumenten zu sehen: Zwei kleine mit einer Kette verbundene Becken (cymbala), ein sistrum sowie verschiedene Flöten.

Hier ist ein besonders interessanter Gegenstand dargestellt - und zwar handelt es sich dabei um eine Gerät, das vermutlich zum Erhitzen und Warmhalten von Wein (Glühwein) oder ähnlichen Heiß-Getränken diente. Ich habe dazu vor einiger Zeit einen kleinen Blogbeitrag verfasst. Die Ähnlichkeit zu einem mit Strom betriebenen Wasserkocher ist schon erstaunlich. Im Übrigens sieht man auf dem vergrößerten Bildausschnitt die rillenartige Struktur des Papiers, von der ich oben geschrieben habe.

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Weiterführende Informationen:

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