Montag, 27. März 2017

Videos: Gefäße aus "Termiten-Lehm" -- Die Germanen im Südwesten

Gebrannte Gefäße aus "Termiten-Lehm"

Ein weiteres Video des wunderbaren Youtube-Kanals Primitive Technology. Diesmal wird ein Töpferofen gebaut, in dem Gefäße aus Lehm gebrannt werden, der von einem Termitenbau stammt.



—————–

Die Germanen im Südwesten - Herrscher und Handwerker | Spieldauer 45 Minuten | SWR | Stream & Info
Nette Doku, mit vielen echten bzw. guten Living-History Elementen. 

—————–

Freitag, 24. März 2017

Feministische Archäologie: In Östrogen gegossenes Wunschdenken



Triggerwarnung für Feministen und 'innen': Dieser Blogbeitrag enthält Naturwissenschaft, Logik, Fakten und eventuell Spuren von Testosteron.

—————–

"Feministische Archäologie" - was ist das? Selbst Personen, die im Geschichtsbetrieb beruflich tätig sind, können sich oft darunter nur wenig vorstellen. Eine kurze formelle Erklärung findet man hier. Freilich, aus diesem hochtrabenden Geschwurbel dürfte erst recht nicht jeder schlau werden. Versuchen wir es daher folgendermaßen: Die feministische Archäologie beklagt den Umstand, dass beispielsweise archäologische Funde häufig auf Grundlage traditioneller Rollenbilder interpretiert werden. Z.B.: Das Nudelholz muss einst einer Frau gehört haben, das Schwert einem Mann. In Wirklichkeit könnte es auch umgekehrt gewesen sein, wendet man ein. Was hätte denn etwa Frauen in der Vorzeit daran gehindert, sich als Kriegerinnen zu betätigen? Tja, eigentlich nicht sehr viel. Außer vielleicht der klitzekleine Umstand, dass Frauen typischerweise im Oberkörper um rund 45 % weniger Kraft als ein durchschnittlicher Mann verfügen. Auch sind weibliches Herz sowie Lungen kleiner und das Blut enthält weniger Hämoglobin, wodurch selbstredend weniger Sauerstoff im Körper transportiert werden kann. In einem kräftezehrenden Kampf hat man auf Grundlage dieser Voraussetzungen als Frau eher schlechte Überlebenschancen. Will heißen, eine Streitmacht, für die der Nahkampf die übliche Form der Auseinandersetzung mit dem Feind ist, schwächt sich zwangsläufig durch das Eingliedern von Frauen. Diese Tatsache versteht und akzeptiert jeder, nur nicht der Feminismus, der mit Biologie und Logik bekanntermaßen nicht sehr eng befreundet ist 😛  

Die von Mann und Frau übernommenen Rollen waren dereinst den biologischen Unterschieden geschuldet. Die jeweiligen Vorteile der beiden Geschlechter wurden optimal ausgenutzt. Natürlich gibt es bezüglich der traditionellen Geschlechterrollen auch Ausnahmen. Sowohl individuelle wie auch kulturell bedingte - oder einfach den Zeitumständen geschuldete; der etablierten Forschung ist das, ganz ohne Zutun der feministischer Archäologie, längst bewusst! Man weiß aber auch, das sich aus Einzelfällen keine allgemeine Regelhaftigkeit ableiten lässt.  

Ein hübsches Beispiel für das feministische Zurechtbiegen der Realität stellt ein von mir kürzlich entdeckter Blogbeitrag dar (Teil 1, Teil 2). Die Verfasserin, die sich selbst als Feministin bezeichnet (und wirklich alles an ihr bestätigt diese Eigendefinition), erklärt zwar vorab, dass ihr Text aus dem Jahr 2013 kein Fachartikel ist, doch betont sie auch, gelernte Historikerin zu sein und sich mit Archäologie auszukennen. Wenn sie also schon dergestalt auftrumpft, dann sollte man doch annehmen dürfen, dass auch einschlägige Blogpostings von ihr gewisse Qualitätskriterien erfüllen.
Anlass für das Lamento der guten Frau war ein für sie höchst unbefriedigender Besuch des MAMUZ in Asparn an der Zaya. Die Beschreibungen einiger der im Museum ausgestellten Objekte gingen nicht mit ihren Vorstellungen von archäologischer Forschung und Geschlechtergerechtigkeit konform. Sehen wir uns daher ein paar der von ihr geäußerten Kritikpunkte näher an. Vieles davon ist ja durchaus repräsentativ für die Ansichten innerhalb der Feministischen Archäologie. (Anmerkung: Die Zitat-Kästchen wurden von mir absichtlich in Mädchen-Rosa eingefärbt - zur Erbauung aller Feministinnen und Gläubigen der Gender Studies. 😄)

Webgewichte, Spinnwirtel und Garn – das Handwerkzeug der jungsteinzeitlichen Frau” steht da auf der Tafel. Aha. Soso. Klar: Es hat wahrscheinlich in der ganzen Jungsteinzeit kein einziges männliches Wesen gegeben, das jemals auch nur in die Nähe der Produktion von Textilien gekommen ist [...].

Die gab es vielleicht. In Abschnitten des Mittelalters sowie der Neuzeit wurde das professionelle Weberhandwerk sogar hauptsächlich von Männern ausgeübt. Doch ist das an dieser Stelle nicht von Bedeutung, da es vielmehr um die Frage gehen muss, ob die Befundlage des inkriminierten Objekts den Schluss nahe legt, dass es im Neolithikum einer Frau gehörte. Eventuell war es eine Grabbeigabe. Die Kritikerin scheint aber bezüglich des Fundkontextes nicht im Bilde zu sein. Sie meckert lieber einfach drauf los. Für eine gelernte 'Historikerin' ein fragwürdiges Verhalten, Emanzen andererseits gebärden sich häufig dermaßen 'übereifrig'.
Außerdem lässt sich, wenn beispielsweise Webgewichte hauptsächlich Frauen als Grabbeigaben zugeordnet werden können, daraus der logische Schluss ziehen, dass die Weberei in einer bestimmten Zeitperiode/Kultur primär eine weibliche Domäne war. Eine sprachliche Verallgemeinerung kann in diesem Fall durchaus in Ordnung sein. Schließlich sollten die beschreibenden Texte in Museen aus didaktischen Gründen kurz und knackig gehalten werden; nicht jede Mutmaßung und eventuelle Abweichung von einer Norm kann hierbei Berücksichtigung finden.

Die Kritikerin macht es sich in weiterer Folge recht einfach, indem sie sämtliche archäologischen Erkenntnisse mit folgender Begründung relativiert:

Trotz einer Anzahl von Archäologinnen*, die in den Anfangstagen der Archäologie Grabungen durchführten und Frauen*, die bei Grabungen ihrer Archäologenväter*, -brüder*, -partner* auf verschiedene Arten mitarbeiteten, trotz aller feministischer Archäologie und Historiographie seit dem 19./20. Jahrhundert ist auch die Archäologie und Geschichtsschreibung nicht vor dem Patriarchat gefeit. 

Quasi zum Ausgleich muss sich die moderne Wissenschaft des 21. Jahrhunderts mit Absonderlichkeiten wie der Feministischen Archäologie herumschlagen, die aufgrund ihres ideologischen Unterbaus dazu neigt, ein historisches Phänomen nicht mehr nur um des Verständnisses seiner selbst willen zu betrachten. Vielmehr spielen Aktualitätsbezüge eine wichtige Rolle, um für ein in der Gegenwart beheimatetes Anliegen, Belege in der Vergangenheit zu finden. Dazu gleich mehr.

[...] Ergo wurden und werden Grabungsfunde aus der Sicht des Patriarchats gedeutet, was z.B. dazu führt(e), dass Skelette mit Waffen – speziell Schwertern – als Grabbeigaben ohne weitere Untersuchung als Männer deklariert wurden, auch wenn ein Skelett möglicherweise das einer Frau* war. Gräber mit “Frauenschmuck” wurden dagegen als Frauengräber interpretiert.

Deshalb gibt es auch die Möglichkeit, das Geschlecht eines skelettierten Toten mittels morphologischer Untersuchung oder DNA-Analyse zu bestimmen. Unter Zuhilfenahme genau dieser Methoden wurde vor wenigen Jahren von einer Archäologin der Versuch unternommen, bajuwarisch-merowingerzeitliche Bestattungen einer "Geschlechtsumwandlung" zu unterziehen. Nicht Männer wären da einst mit Schwertern verbuddelt worden, sondern Frauen. Sogar eine reichlich beliebig interpretierbare Stelle in der frühmittelalterlichen Lex Baiuvariorum wurde als Indiz für die These bemüht.
Doch leider, man hatte sich zu früh gefreut. Das abschließende Fazit der Archäologin musste nämlich lauten: "Die DNA-Analysen an bajuwarischem Skelettmaterial haben eindeutige Ergebnisse geliefert. Im Hinblick auf die Frage nach Waffenbeigaben in Frauengräbern, die auf eine Existenz von „Kriegerinnen“ im Frühmittel-alter schließen ließen, muss die Antwort negativ ausfallen."

Dazu kommt, dass es aus der Steinzeit, egal ob alt oder jung, keine schriftlichen Quellen gibt und die archäologische Fundlage bruchstückhaft, undurchsichtig und eben sehr anfällig für und abhängig von Interpretationen ist. Vieles wissen die heutigen Forscher*innen einfach nicht und werden es vielleicht nie erfahren. 

Ja, aber deshalb fallen nicht sämtliche Erkenntnisse einer beliebigen Interpretation durch Pseudowissenschaftler und Ideologen anheim. Der Methodenapparat der Geschichtswissenschaften (inkl. der Archäologie) ist nämlich nicht auf dem Stand des 19. Jahrhunderts stehengeblieben! Längst leisten auch die Naturwissenschaften einen erheblichen Beitrag zur Forschungsarbeit (siehe das obige Beispiel mit der DNA-Analyse). Das Ausmaß der Ironie ist kaum steigerbar, wenn nun ausgerechnet aus der Gender- und Feministinnen-Ecke die angeblich zu unscharfen Methoden der modernen Geschichtsforschung kritisiert werden. Schließlich haben gerade Feministen und Konsorten mit empirischer Beweisführung so gut wie nichts am Hut (siehe auch den Anhang an diesem Blog-Beitrag zum Thema 'Gender Pay Gap').

Dabei wurde lange Zeit angenommen, dass Forscher objektiv seien, Frauen das nicht wären und daher für die Forschung nicht geeignet seien und mehr als zwei Geschlechter gab es in der Forschung offiziell nicht. 

Mehr als zwei Geschlechter gibt es in der Realität beim Menschen auch nicht (echte Intersexualität, Stichwort 'Zwitter', ist ein relativ seltener Sonderfall). Der Spielverderber Biologie grätscht hier also wieder einmal böse dazwischen. Doch davon lassen sich Ideologen - sowohl weibliche wie auch männliche - naturgemäß nicht beirren. Das Geschlecht, von dem es angeblich dutzende (!) Varianten geben soll, werde primär vom Oberstübchen vorgegeben - nicht etwa von der Anatomie. Wohin diese Art von postfaktischer Phantasterei führen kann, sieht man an diesem Beispiel, bei dem es sich um keinen verfrühten Aprilscherz handelt.

Heute kommen einige Menschen in der Forschung im Allgemeinen und auch in der Geschichtsforschung immer mehr darauf, dass Menschen nicht objektiv sein können und unsere persönlichen Prägungen, Ansichten, Stereotype, Gefühle etc. immer in unsere Forschungen – und alles andere auch – einfließen lassen, ob bewusst oder unbewusst. Wie objektiv ist also ein*e nicht für Feminismen sensibilisierte*r Forscher*in?

Gegenfrage: Wie objektiv bzw. ernst zu nehmen ist jemand, der behauptet, es gäbe viel mehr als nur zwei Geschlechter? So jemand hat sich doch schon längst aus der empirischen Wissenschaft ausgeklinkt und sich stattdessen einem Kult verschrieben. Verglichen damit ist selbst Erich von Dänikens Prä-Astronautik-Theorie nobelpreisverdächtig.

Wer glaubt, mit all dem hier bisher behandelten Unsinn sei der Gipfel des Wahnsinns erklommen, muss sich umgehend eines Besseren belehren lassen. Im zweiten Teil der Kritik schreibt die Frau über ihren traumatischen Museumsbesuch nämlich folgendes:

Wir kamen zur Statuette der “Venus von Falkenstein” aus der jungsteinzeitlichen Lengyel-Kultur, die “unserem Schönheitsideal mehr entspricht” (Aussage des Führers*) als die Venus von Villendorf (die hat dafür einen eigenen Wikipedia-Eintrag).
Warum müssen die immer alle “Venus” heißen, selbst heute noch, wo längst andere Begriffe gefunden werden könnten? 

Warum man solche Statuetten bzw. Idole "Venus" nennt? Ja wie denn sonst? Jazz GittiStefanie Werger? Freilich, bezüglich der Optik wären das wohl eine passendere Bezeichnungen für diese steinzeitlichen Wuchtbrummen 😃. Doch sollte gerade die feministische Kritikerin froh über den Euphemismus "Venus" sein, ist er doch scheinbar ganz in ihrem Interesse - wie folgende Aussage nahelegt.

Und warum müssen steinzeitliche Frauen*statuetten um der “modernen Vermittlung” willen fatshaming ausgesetzt sein? (Und warum gibt es zu fatshaming noch keinen eigenen Wikipedia-Eintrag?)

Tja, selbst selbst den Wikipedia-Hanseln - und das will etwas heißen - ist dieser Begriff aus Übersee wohl zu dümmlich und trivial, um dafür extra einen eigenen Eintrag zu basteln. 

Danach wurde ich dann gerügt, dass ich nicht mehr fotografieren sollte – ich habe mich nicht daran gehalten. Ich habe aber auch nicht weiter dokumentiert oder aufgepasst. Ich habe nur noch einen bösen Kommentar im Gästebuch hinterlassen (Monierung der nicht geschlechtergerechten Sprache und “Geschichtsbild wie aus den 1950er-Jahren”) und habe mich nach draußen verzogen.

HeldIn! Für diese feministische Zivilcourage wird der Dame hoffentlich der Pussy Hat mit Eichenlaub und Schwertern verliehen.  😊

Übrigens: Die feministischen Archäologen und 'innen' haben selbstverständlich auch ein Netzwerk gebildet, das den Namen FemArc trägt. Die Allwissende Müllhalde weiß darüber folgendes zu berichten:

Das Netzwerk verfolgt zwei Ziele: zum einen das Etablieren von Geschlechterthemen und feministischen Ansätzen in den verschiedenen archäologischen Disziplinen; zum anderen die Unterstützung von Frauen bei ihren archäologischen Karrieren.

Neben dem Verbreiten ihrer ideologischen Vorstellungen geht es den weiblichen Mitgliedern von FemArc also darum, sich gegenseitig Posten zuzuschanzen - so zumindest mein Eindruck. Die meisten feministischen Aktivistinnen sind nämlich - nachdem im Westen die Frau längst dem Mann rechtlich sowie sozial gleichgestellt ist - dazu übergegangen, über Quoten bei Professuren, in der Politik, dem Management und bei Studienplätzen Vorteile für sich herauszuschinden. Nicht mehr die persönliche Leistung zählt, sondern das, was man zwischen den Beinen hat bzw. eben nicht hat. Somit ist der Feminismus in der Tat zu einer einer reinen Rosinenpickerei verkommen. Sehr gut abzulesen auch an dem Umstand, dass von Feministinnen nie folgendes gefordert wird: Eine Frauenquoten für Berufe am Bau; eine Gleichstellung beim gesetzlichen Pensionsantrittsalter; die Wehrpflicht für Frauen. 

—————–

Zusatzinformationen:
  • Eigentlich haben die nachfolgenden beiden Links bezüglich 'Gender Pay Gap' nicht direkt etwas mit dem Thema dieses Blogbeitrags zu tun. Ich weise trotzdem darauf hin, weil hier sehr gut veranschaulicht wird, dass heutige Feministinnen (in Komplizenschaft mit vielen Journalisten) selbst bei einem ihrer zentralen Themen die Öffentlichkeit nach Strich und Faden behumpsen:  Youtube-Video | Telepolis-Artikel

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Mittwoch, 22. März 2017

Krimskrams: Beinschoner und Schutzbrillen für den mittelalterlichen Schmied? -- Gefährlicher Mondstaub

Beinschoner und Schutzbrillen für den mittelalterlichen Schmied?

Wie es der Zufall so will, bin ich auf das Foto eines Schmiedes in mittelalterlicher Ausstaffierung gestoßen. Besonders aufgefallen sind mir dabei freilich die ledernen 'Beinschoner', die der Mann trägt: Klick mich

Ist so etwas historisch belegt? Interessant finde ich es allemal, denn wer selbst schon einmal in mittelalterlicher Kleidung geschmiedet hat, der weiß, dass beim Hämmern auf das glühende Metall der absplitternde, oft noch heiße Abbrand die ungute Angewohnheit besitzt, gelegentlich seinen Weg in die Schuhe zu finden (passiert bei Verwendung moderner Arbeitskleidung deutlich seltener). Natürlich könnte man den oberen Rand der Schuhe zum Schutz mit einem Tuch (oder den Wadenbinden) umwickeln, doch die Schoner auf dem Foto sehen definitiv eleganter und praktischer aus. Außerdem fangen sie nicht Feuer und schützen die Hosen vor Dreck und Brandlöchern. Wobei freilich auch eine zusätzliche Lederschürze nicht verkehrt wäre.

Der Abbrand kann übrigens auch in die Augen fliegen. Trotzdem habe ich in der heißen Jahreszeit zumeist ohne Schutzbrillen geschmiedet - Grund: Die Dinger sind mir aufgrund der von meinem Körper verstärkt abgegebenen Wärme und der höheren Luftfeuchtigkeit oft an der Innenseite angelaufen. Und nicht richtig sehen zu können, wohin man mit dem Hammer zielt, ist schon ein bisschen problematisch.
Um die Augen trotz des Verzichts auf eine Schutzbrille halbwegs zu Schützen, kneift man diese eben zu schmalen Schlitzen zusammen. Letztendlich muss aber jeder für sich selbst die Risiken abwägen. 

Notiz am Rande, weils gerade passt: Beim Arbeiten mit dem Winkelschleifer ist mir einmal unbemerkt ein größeres Stückchen glühendes Metall in die Tasche meines Overalls gehüpft. Es war Winter und kalt, doch plötzlich breitete sich an meinen Hüften eine wohlige Wärme aus. Als ich noch so bei mir dachte, woher die wohl kommt, war bereits ein Faustgroßes Loch in den Overall gebrannt. Zum Glück war der aber aus einem speziellen Material, das nur sehr langsam vor sich hin glost und nicht gleich lichterloh in Flammen aufgeht (man stelle sich vor, was hingegen bei historischer Wollkleidung los wäre...)
Ganz toll ist auch, wenn so ein glühendes Metallstück auf dem Kopf landet und sich sogar durch die Kopfbedeckung frisst. Mehr als einmal bin ich deshalb ziemlich überrascht in die Höhe gefahren! 😃
—————–

Gefährlicher Mondstaub

Kürzlich kam mir auf Youtube der interessante Kanal Curious Droid unter, dessen Betreiber einige ausgezeichnete Videos über die Apollo-Mond-Missionen der NASA produziert haben. Darin wird z.B. der Frage nachgegangen, welcher (unschöne) Plan vorgesehen war, falls das Landemodul aus technischen Gründen nicht wieder von der Mondoberfläche hätte abheben können. Auch die Gefährlichkeit des einst durchflogenen Van-Allen-Gürtels wird näher betrachtet. Spannend fand ich außerdem folgendes Video über den nur scheinbar trivialen Mondstaub, der in Wirklichkeit einige besonders böse Eigenschaften aufweist, die den Astronauten gehörige Schwierigkeiten bereiteten. So dauerte es beispielsweise drei Monate, bis der unter die Fingernägel eines Astronauten geratene, aggressive Mondstaub wieder verschwunden bzw. mit den Nägeln 'herausgewachsen' war.


Dienstag, 21. März 2017

Videos: Mit Schwert und Rüstung beim Mittelalter-Verein -- Rekonstruktion eines antiken Schiffes

Mit Schwert und Rüstung beim Mittelalter-Verein Reisecen | Spieldauer 30 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
Der SWR verbringt ein Wochenende beim Mittelalter-Verein Reisecen auf der Bachritterburg Kanzach.

Rekonstruktion eines antiken Schiffes | Spieldauer 12 Minuten | ARD | Stream & Info, Direkter Download
Im Norden Israels rekonstruiert man ein 2500 Jahre altes antikes Schiff. Wenn es fertig ist, möchten die Bootsbauer damit im nächsten Jahr in Marseille an einer Regatta für nachgebaute antike Wasserfahrzeuge teilnehmen.

—————–

Montag, 20. März 2017

Hörbares: Der Limes -- Augustus -- Kelten-Bier nachgebraut -- Unbekannte Pharaonen-Statue -- Die Menora



Der Limes - Die Außenhaut des Römischen Reichs | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Augustus - Friedenskaiser und Gewaltherrscher | Spieldauer 22 Minuten | BR | Direkter Download

Keltentrunk 2.0 - US-Forscherin braut Bier aus der Eisenzeit nach | Spieldauer 5 Minuten | DR | Direkter Download

Doch kein Ramses-Fund - Welchen Pharao zeigt die Statue? | Spieldauer 4 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

Ausstellung in Rom: Die Menora und ihre Rätsel | Spieldauer 4 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

—————–

Samstag, 18. März 2017

Buch: Die Vermessung der Ozeane - Welt- und Seekarten von der Antike bis zur Neuzeit

Im Buch Die Vermessung der Ozeane: Welt- und Seekarten von der Antike bis zur Neuzeit (Verlag Delius Klasing) schildert der Autor Olivier de Carrer die Entwicklung der Kartographie sowie das sich wandelnde Bild, das die Menschheit im Lauf der letzten Jahrtausende von der Erde gewann.
Beispielsweise haben wir einem Schreiber des ägyptische Herrschers Snofru die erste historisch überlieferte, formelle Erwähnung einer Seereise zu verdanken; bereits um 3000 v. Chr. verzeichnete dieser die Ankunft von 40, mit Zedernholz beladenen Schiffen aus Byblos (Libanon). 
Auch die Forschungsarbeit von so berühmten Wissenschaftlern wie Eratosthenes von Kyrene (berechnete Erdumfang) und Hipparch von Nikaia (teilte Erdumfang als erster in 360 Grad) werden in allgemein verständlicher Weise erläutert.
Der Fortschritt der Kartographie wird überdies mithilfe großformatiger Abbildungen alter Karten veranschaulicht. Anhand dieser erklärt der Autor unter anderem, welchen Zweck Windrosen und das für Laien verwirrend wirkende Netz von sogenannten Rumbenlinien haben (siehe z.B. das abgebildete Buchcover). 

Da die meisten der überlieferten Welt- und Seekarten (sog. Portolane) aus dem europäisch-westlichen Kulturkreis stammen, nehmen sie und ihre Entwicklung naturgemäß mehr Raum im Buch ein, als etwa die Kartographie und Seefahrt in Asien. Trotzdem wird auch auf die Kulturen abseits Europas nicht völlig vergessen; beispielsweise würdigt der Autor die navigatorischen Fähigkeiten der Polynesier, die bereits vor Jahrtausenden auf abenteuerlichen Fahrten, unter Zuhilfenahme heute oft nicht mehr bekannter Navigationshilfen, die Besiedelung der Pazifikinseln in Angriff nahmen.
Überhaupt ist ja die Geschichte der Kartographie auch immer eine der Entdeckungsreisen. Daher ist z.B. von berühmten Männern wie Kolumbus die Rede, aber auch von João Vaz Corte-Real, der bereits 1472 - also 20 Jahre vor Kolumbus - (Nord-)Amerika (wieder-)entdeckt haben könnte. Im Gegensatz zu Kolumbus hatte er freilich keine mächtigen Gönner und spielte auch nicht dermaßen geschickt auf der PR-Orgel, sodass seine Aktivitäten in Vergessenheit gerieten. Doch selbst der Portugiese Corte-Real war vielleicht nicht der erste Europäer des ausgehenden Mittelalters, der amerikanischen Boden betrat. Es ist nämlich denkbar, dass Kabeljau-Fischer bereits Mitte des 15. Jahrhunderts bei Neufundland an Land gegangen sind. Darauf deuten französische Karten hin, die Teile der nordamerikanischen Küste bereits vor den offiziellen Entdeckungsfahrten in dieser Gegend zeigten. Kolumbus könnte davon gewusst haben ...

Fazit: Der Autor ermöglicht in Die Vermessung der Ozeane Nichtfachleuten einen unkomplizierten, sehr schön illustrierten Einblick in die historische Entwicklung der Kartographie. Manch neugierigem Leser werden die Erläuterungen punktuell vielleicht aber etwas zu sparsam sein. Ich hätte mir beispielsweise Näheres zu der berühmten Karte des Piri Reis gewünscht; ein Thema wie dieses sollte man nämlich nicht bloß Erich von Däniken überlassen 😉
Der Preis für dieses großformatige Buch (36,5 cm x 27,3 x 2,5 x ) beträgt knapp 50 Euro.

—————–

Inhaltsverzeichnis:

Eine Welt erfinden - Von der Frühzeit bis Eratosthenes
Ein sehr langer Schlaf - Von Ptolemäus bis zum Mittelalter
Zurück auf die offene See - Von der Pisaner Karte zur Schule von Mallorca
Der vierte Kontinent - Vom "Atlas catalan" bis Magellan
Eine Karte für die Seefahrer - Von den ersten Seebüchern zum Seeatlas
Ein anderer Blick auf den Ozean - Vom "Dépôt des cartes et plans" zum GPS


Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

Donnerstag, 16. März 2017

Krimskrams: Das Frühmittelalterdorf Unterrabnitz -- Der Flammenträger -- Wenn alle Dämme brechen -- Des Klosters geplante Scheune -- Das Buch als Geldanlage

Das Frühmittelalterdorf Unterrabnitz

Dank einer E-Mail wurde ich auf das burgenländische Frühmittelalterdorf Unterrabnitz aufmerksam, das mir bisher nur vage vom Namen her bekannt war. Es ist zwar nicht riesig, sieht aber sehr nett aus. Auch die Lage in der Landschaft scheint optimal zu sein (keine modernen Gebäude in unmittelbarer Nähe, stattdessen im Wald gelegen). Ich denke, das muss ich mir mal persönlich ansehen und eventuell auch ein paar Fotos fürs Blog machen. Extrem weit weg ist es ja nicht.

—————–

Bernard Cornwell: Der Flammenträger

Der zehnte Uhtred-Roman Bernard Cornwells mit dem Titel Der Flammenträger erscheint am 22 April. Sehr schön, doch wieso kostet die Kindle-Ausgabe nur einen Euro weniger, als die greifbare und wiederverkäufliche Variante aus Papier? Bei dieser eigenartigen Preispolitik wundert es mich nicht, dass der europäische E-Book-Markt stagniert (stört mich allerdings nicht, denn ich persönlich halte von E-Books ohnehin nicht sehr viel).

—————–

Das Buch als Geldanlage

Als ich mir im Jahr 2014 das Buch Pfeil und Bogen zur Merowingerzeit gekauft habe, musste ich dafür knapp 25 Euro abdrücken. Für das Gebotene ein durchaus akzeptabler Preis. Neu scheint das Buch mittlerweile nicht mehr erhältlich zu sein, sondern nur mehr gebraucht. Und zwar bei Amazon für 63 und 90 Euro! 
Ob sich bald ein Blöder findet, der bereit ist solche absurden Preise zu bezahlen? Oder werden die Verkäufer stattdessen sehr lange auf ihren Exemplaren sitzenbleiben und eines Tages gezwungen sein, mit den Preisen deutlich nach unten zu gehen?

—————–

Wenn alle Dämme brechen

Ich äußere mich hier normalerweise nicht zu den Ideen von irgendwelchen Parteipolitikern. Doch das folgende Beispiel verdient definitiv eine Ausnahme - weil es nämlich die Bildung berührt, die ja auch eines der Anliegen dieses Blogs ist. Zitat aus der Kronenzeitung vom 13. März.
Zur Debatte über die Bildungsreform haben am Wochenende auch die Grünen einen Beitrag geliefert: Mathematik soll wegen den vielen Fünfern bei der Zentralmatura nur noch ein Wahlfach bei der Matura sein [...].
Brechen nun in Bananenreich die letzten Dämme, die die Realität vom Irrsinn trennen? Zumindest scheint manch politischer Bildungslegastheniker endgültig in seinem eigenen Ideologiewahn abzusaufen. 
Anstatt den Mathe-Unterricht und/oder diese eigenartige Zentralmatura grundlegend zu reformieren, soll die vermeintlich allgemeine (!) Hochschulreife den Schülern einfach nachgeschmissen werden. Toll. Doch was wollen die Matheverweigerer im Anschluss an die AHS studieren? Die mathelastigen, aber von der Wirtschaft gefragten MINT-Fächer können sie vergessen. Bleiben also vor allem die überlaufenen 'Laberfächer' wie Soziologie, Psychologie, Politikwissenschaft usw., deren Absolventen sich ob ihres Studiums zwar gerne der besserwissenden Elite zurechnen, es in Wirklichkeit dank politischer Unterstützung aber nur immer häufiger schaffen, dass Dummschwätzerei als anerkannte Wissenschaft durchgeht. Überflüssig zu erwähnen, dass der für obige Idee verantwortlich zeichnende Politiker genau aus dieser kryptointellektuellen Ecke kommt.

—————–

Des Klosters geplante Scheune

Es stellt eine Premiere dar, dass seitens des Campus Galli ein geplantes (oder auch bereits fertiggestelltes) Gebäude mehr als nur flüchtig in einem im Internet zugänglichen Beitrag behandelt wird: Klick mich

Beginnen wollten man mit der Errichtung dieser Scheune bereits vor zwei Saisonen, doch immer wieder kam es zu Verschiebungen. Und selbst der für dieses Jahr angekündigte Baubeginn ist laut Aussagen der Verantwortlichen nicht gesichert. Kein Wunder, stützt sich das Projekt doch allzu sehr auf freiwillige Helfer mit zwei linken Händen. Jeder mag sich selbst ausmalen, wie lange es dauern wird, bis die geplante Klosterstadt mit rund 50 Gebäuden fertiggebaut ist. Ich tippe auf nie.

—————–

Weitere interessante Themen auf diesem Blog;

Mittwoch, 15. März 2017

Hörbares: Palmyra und der Bildersturm -- Der Koloss von Kairo -- Spektakulärer Keltenfund -- Wertvoller Codex Gisle -- Betrogener Louvre



Palmyra und der Bildersturm - eine Diskussion in der Akademie der Künste | Spieldauer 55 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info 

Neuer Archäologiefund: Der Koloss von Kairo | Spieldauer 6 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

Spektakuläre Funde am Bussen - Die Kelten an der oberen Donau | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Wertvolles Chorbuch aus dem Mittelalter: Der Codex Gisle | Spieldauer 7 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

Betrug: Dem Louvre wird eine antike Gold-Tiara angeboten | Spieldauer 4 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info | Direkter Download

—————–

Sonntag, 12. März 2017

Konstruktionsmethoden und Funktionsweise römischer Aquädukte

Überblick zu den Kontruktionsmethoden eines römischen Quädukts
 Die Grafik findet sich in hoher Auflösung - inkl. detaillierter Beschriftung - bei Flickr zur freien Verwendung

Beim Bau einer römischen Fernwasserleitung (Aquädukt) musste nicht selten eine Vielzahl an verschiedensten Hindernisse überwunden werden, die sich aus den Besonderheiten des jeweiligen Geländes ergaben. Welche technischen Lösungen die antiken Baumeister dafür entwickelten, veranschaulicht die obige Grafik. Das Trassengefälle wurde hierbei zwecks leichterer Erkennbarkeit von mir bewusst übertrieben dargestellt. In der Realität betrug es hingegen mitunter gerade einmal 0,14 Promille (z.B. Pont du Gard/Nîmes) - das entspricht einem Höhenunterschied von lediglich 14 cm auf einem Kilometer Länge! 


(1) Quellfassung, Sickergalerie, Flussableitung oder Talsperre: Bei der Wahl ihres Wassers waren die Römer äußerst wählerisch. Dementsprechend bevorzugte man hochwertiges Quellwasser, das mittels einer regulären Einfassung oder einer Sickergalerie aus lose aufeinandergesetzten Steinen angezapft wurde - so z.B. im Fall der Eifelwasserleitung nach Köln.
In Ausnahmefällen griff man auch auf Flusswasser zurück; vorzugsweise auf solches aus den noch vergleichsweise sauberen Oberläufen. In trockenen Gegenden - wie etwa Spanien - wurden zusätzlich Talsperren errichtet, um auch im Sommer genügend Wasser vorrätig zu haben.
Kalkhaltiges - und somit geschmacklich besseres Wasser - erfreute sich größerer Beliebtheit als kalkarmes. Es konnte daher vorkommen, dass eine ferne kalkhaltige Quelle mit vergleichsweise großem Aufwand erschlossen wurde, anstatt auf eine nahe, zwar saubere, aber eben kalkarme Quelle zuzugreifen. Dem Problem, dass sich der im Wasser gelöste Kalk an der Innenseite der Leitungen ablagerte, begegnete man häufig bereits in der Planungsphase mit einem stark überdimensionierten Leitungsquerschnitt, sodass die sich bildenden Sinterschichten, die beispielsweise beim Pont du Gard bis zu 50 cm (!) betragen, erst nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten entfernt werden mussten.
Während unterirdische Überlandleitungen häufig begehbar und gemauert waren, wurden in innerstädtischen Verteilernetzen kleinere Rohre verwendet, die mitunter aus gesundheitsschädlichen Blei bestanden. Interessanterweise waren es aber ausgerechnet die oben beschriebenen Kalkablagerungen, die hier eine Vergiftung des Trinkwassers weitestgehend verhinderten. Trotzdem wies der antike Baumeister Vitruv darauf hin, dass Wasser aus Tonröhren gesünder ist. (Vitruv, De Architectura VIII, 6, 10-11). Und in der Tat war ja zumindest bei neu verlegten Rohren aus Blei noch keine schützende Kalkschicht an der Innenseite vorhanden.


(2) Unterirdischer Kanal: Beim Begriff Aquädukt denken viele zu allererst an Brückenbauten für den Wassertransport. Doch eigentlich sind damit sämtliche Bauformen römischer Fernwasserleitungen gemeint. Unter anderem zählen dazu unterirdische Kanäle. Diese waren, wie der größte Teil des Fernwasserleitungssystems, als Freispiegelleitungen ausgeleg (Ausnahme, siehe Punkt 7). Das Wasser floss darin einzig und alleine aufgrund eines stätigen Gefälles von A nach B. Man spricht hier passenderweise auch von Gefälle- oder Gravitationsleitung
Diese unterirdischen geführten Kanäle bestanden - wenn sie z.B. nicht durch Felsen getrieben worden waren - zumeist aus gemauerten Ziegelsteinen bzw. aus in Holzverschalungen gegossenen opus caementitium (Gussbeton). Letzerer ist bezüglich Druckfestigkeit selbst mit heutigen Methoden kaum zu übertreffen.
Zwar war die Innenseite der Kanäle mit opus signinum (ein wasserdichter Mörtel) verputzt, doch schüttete man bei der ersten Inbetriebnahme zur Vorsicht Asche in das Wasser, die undichte Stellen abdichten sollte (Vitruv, De Architectura VIII, 6, 9). In einigen Fällen wurde sogar zusätzlich die Außenseite versiegelt, um das Eindringen von Fremdwasser zu verhindern. Daran ist ersichtlich, welch außerordentlich großer Wert im antiken Rom auf die Trinkwasserqualität gelegt wurde.


(3) Oberirdisch auf einer Mauer geführter Kanal: Kleine Einschnitte im Gelände wurden mithilfe einfacher, schmuckloser Mauern überbrückt. In steinarmen Gegenden waren auch Erddämme ein Option.
Überdies deckte man oberirdisch geführte Trinkwasserkanäle wie diesen oft mit Platten ab. Dadurch wurde nicht nur die Verschmutzung des Wassers minimiert, sondern auch sein Verdunsten. Besonders in eher heißen Gebieten war dies von Bedeutung. 


(4) Tunnel in Qanat-Bauweise (Lichtloch-Verfahren): Im äußerst trockenen Nahen Osten stellte das Qanat schon früh eine Möglichkeit dar, tief im Boden liegende Grundwasservorkommen zu erschließen. Dabei wurde ein langer, wasserführender Tunnel mit vielen von oben kommenden Verbindungsschächten angeschnitten, über die Wasser entnommen werden konnte. Im Laufe der Zeit gelangte dieses Verfahren zu den Etruskern, von denen es sich wiederum die Römer abschauten. Letztere entwickelten das Qanat weiter und führten es im allgemeinen Tunnelbau ein: Dabei teilte man zuerst den geplanten Tunnel in unterschiedliche Baulose ein. Jeder dieser Abschnitte wurde dann mittels eines senkrechten Schachts von zuvor exakt berechneter Tiefe erschlossen. Die vom Grund der Schächte aus gegrabenen, (mehr oder weniger) waagrecht verlaufenden Tunnel-Teilstücke verbanden sich nach und nach zu einem vollständigen Ganzen.
Neben dieser Möglichkeit Tunnelbauten zu realisieren nutzten die Römern auch noch das sogenannte Gegenort-Verfahren - siehe Punk 6.


(5) Aquäduktbrücke: Wie schon unter Punkt 2 erläutert, wird der Begriff Aquädukt häufig ausschließlich mit römischen Brückenbauten für den Wassertransport gleichgesetzt - was freilich ein Irrtum ist.
Aquäduktbrücken bestanden in der Regel aus gebrannten Ziegeln und/oder Naturstein (plus opus caementitium). Sie erreichten Höhen von bis zu 50 Meter und unterteilten sich häufig in mehrere Halbkreis-Bögen. Die Spannweite eines einzigen Bogens konnte dabei bis zu 25 Metern betragen. Auf der Krone dieser Bauten befand sich eine steinernen Rinne, in der das Wasser transportiert wurde.
Solche Brücken überspannten nicht nur Trocken- sondern auch Flusstäler. Für die antiken Ingenieure bedeutete letzeres eine zusätzliche technische Herausforderung, da Pfeilergründungen im Wasser bzw. im feuchten Untergrund nicht unproblematisch waren.
Da mit dem Bau vieler Aquäduktbrücken allem Anschein nach bereits begonnen wurde, wenn die Wasserleitung noch gar nicht bis zum betreffenden Tal vorgetrieben worden war, konnte es vorkommen, dass im Falle einer nachträglichen Änderung des Trassenverlaufs die Brücke plötzlich obsolet wurde. Sie stand dann halb oder gar schon ganz fertig sinnlos in der Gegend herum. Man nennt so eine Brücke umgangssprachlich Soda-Brücke, weil sie einfach "so dasteht".
In steinarmen Gegenden wurden mitunter gewaltige Brücken bzw. Dämme aus Erde aufgeschüttet, um Talsenken zu durchqueren. Beispiele hierzu liefern die römischen Siedlungsplätze von Tongeren und Nimwegen.
Auf der obigen Grafik nicht gesondert eingezeichnet, aber durchaus von einiger Bedeutung waren Umlenkbecken, die sich häufig unmittelbar vor großen Brückenbauten archäologisch nachweisen lassen. Sie dienten dem Zweck, Brücken für Reparaturarbeiten trocken zu legen.


(6) Tunnel im Gegenort-Verfahren: Hierbei wurde der Tunnel von zwei Seiten in Angriff genommen. Man traf sich ungefähr in der Mitte des Berges.
Die frühesten Beispiele für dieses Verfahren stammen nicht von den Römern, sondern aus dem Nahen Osten. Beispielsweise stellte Hiskia, der von 725-697 über das Königreich Juda regierte, mit einem 533 Meter langen Großtunnel die Wasserversorgung Jerusalems in Kriegszeiten sicher.
Auch der schon von Herodot bewunderte, 1036 Meter lange  Eupalinos-Tunnel, der in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts auf der Insel Samos entstand und nach dem dafür verantwortlichen Baumeister benannt wurde, fußt auf dem Gegenort-Verfahren.
Der bekannteste Gegenort Tunnel der Römer ist gleichzeitig auch der längste bekannte Tunnel, der in der Antike errichtet wurde. Dabei handelt es sich um den sogenannten Claudius-Tunnel. Er ist bemerkenswerte 5595 Meter lang und wurde in 11 Jahren von angeblich 30 000 Arbeitern aus dem Felsen gegraben. Zweck dieses Bauwerks war es, den Wasserspiegel des Fuciner Sees abzusenken. Dies gelang allerdings nur eingeschränkt.
Beim Graben von Tunneln im Gegenort-Verfahren bestand die Gefahr, dass sich die beiden Bautrupps verfehlten, sofern bei den Vermessungen und Berechnungen Fehler unterliefen - oder schlicht und ergreifend ungenau gearbeitet wurde. Ein Beispiel dafür ist eine in Saldae (Nordafrika) angelegte Wasserleitung. Beinahe wäre das gesamte Bauprojekt aufgegeben worden, weil es Probleme mit dem Tunnelvortrieb gab. Erst der vom Militär herbeigerufene Ingenieur Nonius Datus war in der Lage die Arbeiten erfolgreich fortzuführen, wie er noch auf seinem Grabstein (!) stolz verkündete. Dieser Text gibt einen ausgezeichneten Einblick in den antiken Tunnelbau. Außerdem lässt seine Veröffentlichung darauf schließen, dass die auftretenden Probleme beim Bau dieses Aquädukts einst hohe Wellen schlugen. Doch mehr dazu demnächst in einem gesonderten Blogbeitrag.


(7) Siphonstrecke / Druckrohrleitung: Vor allem bei Tälern, die tiefer als 50 Meter waren - wo also der Bau von entsprechend hohen Aquäduktbrücken bezüglich Statik und Aufwand problematisch wurde - griffen die römischen Ingenieure auf Druckrohrleitungen zurück. Dabei machten sie sich das Prinzip der kommunizierenden Röhren zunutze: In miteinander verbundenen Röhren behält nämlich das Wasser an jeder Stelle denselben Pegel. Allerdings ist zu beachten, dass aufgrund eines gewissen Druckverlusts das Wasser am Ausgang der Leitung des Aquädukts nicht die gleiche Höhe wie am Eingang erreichen kann. Dementsprechend tiefer musste der Ausgang geplant und gebaut werden.
Auch im innerstädtischen Bereich war es oft sinnvoll, das Verteilernetz nicht nur in Form von Freispiegelleitungen, sondern auch mit Druckrohrleitungen zu betreiben. So konnten - etwa im hügeligen Rom - selbst höher gelegene Gebiete größtenteils mit Trinkwasser versorgt werden. Allerdings war der Wasserdruck zumeist nicht stark genug, um auch die obersten Stockwerke der Häuser mit fließendem Wasser zu versorgen. Der Gang zu einem der unzähligen öffentlichen Straßenbrunnen zählte daher für die große Mehrheit der Bevölkerung zum Alltag. Übrigens, das überschüssige, permanent aus den Brunnen ausströmende Wasser wurde abgeleitet und zum durchspülen der Gossen und der Abwasserkanäle benutzt (heute erzählt man hingegen selbst den Menschen im wasserreichen Mitteleuropa, sie mögen doch Wasser sparen, was jedoch zu enormen Folgekosten führt, da die Abwasserleitungen nicht mehr ausreichend von Wasser durchströmt werden und verkrusten bzw. häufiger verstopfen).
Als Material wurden für römische Druckrohrleitungen Röhren aus Stein, Blei oder Ton verwendet - wobei regionale Unterschiede zu beobachten sind. Auf dem Gebiet des heutigen Frankreich dominierten beispielsweise Röhren aus Blei, während man in der Türkei eher auf Stein setzte.


(8) Hochleitung: Sie dienten u.a. dazu, den durch einen vorhandenen Höhenunterschied aufgebauten Wasserdruck bis zu einem bestimmten Punkt des Leitungssystems zu halten.
Überreste solcher Hochleitungen finden sich etwa vor und in der Stadt Rom. Ein besonders bekanntes Beispiel ist ist die von Caligula begonnene und von Claudius fertiggestellte Aqua Claudia. Auch die beeindruckende Hochleitung des Aquädukts von Miturno (Miturnae) ist bis heute zum Teil in einem äußerst guten Erhaltungszustand und kann von Interessierten Touristen besichtigt werden.


(9) Verteilerbecken (castellum divisorium): Im "castellum" endete die Fernwasserleitung. Das transportierte Wasser wurde hier verteilt und in das innerstädtische Druckleitungssystem eingespeist. In diesem gab es weitere Verteiler - beispielsweise in Form von schlanken, mit Steigleitung versehenen Türmchen, wie sie z.B. an vielen Straßenkreuzungen in Pompeji standen bzw. auch heute noch stehen.
Vitruv gab den Ratschlag, die im castellum vorgenommene Verteilung des Wassers nach Art der Abnehmer zu trennen. Und zwar dergestalt, dass bei eintretender Wasserknappheit die öffentlichen Anlagen automatisch gegenüber privaten Abnehmern bevorzugt wurden. Eine praktische Umsetzung dieses Ratschlags ließ sich bisher allerdings nicht nachweisen; weder im hervorragend konservierten Pompeji noch in anderen Städten wie Nîmes, wo die Verteileranlage ebenfalls erstaunlich gut erhalten blieb. Vitruv könnte demnach nur den Idealzustand der Wasserversorgung einer Stadt beschrieben haben, aber nicht den tatsächlichen.
Übrigens, hier nicht extra eingezeichnet ist das vergleichsweise klein dimensionierte Absetzbecken, das sich noch unmittelbar vor dem Verteilerbecken befand. Es diente zum Klären bzw. Reinigen des Wassers von Schwebstoffen.

—————–


Weiterführende Literatur:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Mittwoch, 8. März 2017

Krimskrams: Varusschlacht in Kalkriese? -- Adblocker-Verbot und Blogger-Bashing -- Zensur-Doku



Varusschlacht in Kalkriese?

Das Museum von Kalkriese ist in optischer Hinsicht ein absoluter Graus: Hässliche, vor sich hinrostende Stahlinstallationen stehen verstreut im Gelände und beleidigen die Augen all jener Besucher, deren ästhetisches Empfinden noch nicht völlig den Bach hinunter gegangen ist (siehe Bild).
Überdies kann nicht als gesichert gelten, dass die Varusschlacht wirklich in Kalkriese stattgefunden hat. Genauso gut könnte sich dort wenige Jahre später der römische Feldherr Germanicus auf seinem mäßig erfolgreichen Rachefeldzug mit den Germanen geprügelt haben. 
Zu dieser Fragestellung soll nun im Rahmen eines großen Projektes geforscht werden, wie Archäologie Online berichtet: Klick mich

Interessant wäre auch zu erfahren, inwieweit tatsächlich Kritiker der Kalkriese-These in das Forschungsprojekt eingebunden werden. Oder ob es sich hierbei vor allem um eine Veranstaltung handelt, die Kalkriese als Schlachtort bestätigen soll. Man darf nämlich eines nicht vergessen: Das Museum vor Ort wurde rund um den Mythos Varusschlacht errichtet. Bricht der quasi weg, ist das selbstverständlich für das Museum sowie seine Geldgeber - vor allem die Lokalpolitik - eine wenig schöne Entwicklung ...

—————–

Adblocker-Verbot und Blogger-Bashing

Ein Leser machte mich auf einen Beitrag aufmerksam, in dem es darum geht, dass deutsche Verleger ein Verbot von Adblockern fordern. Anderenfalls könnten sie ihre drittklassigen Schmierblätter vorzüglichen Qualitätsblätter nicht mehr finanzieren. Und das wäre angeblich ganz schlimm, weil dann würde die breite Masse der Bevölkerung beispielsweise durch Blogger, die "journalistische Standards" nicht erfüllen, informiert. Mon dieu!

Ich bin jedenfalls stolz darauf, mein Blog nicht im Rahmen dieser sogenannten "journalistischen Standards" zu betreiben. Denn in dem Fall müsste ich beispielsweise den Campus Galli ganz toll finden - oder zumindest so tun als ob - und diese geschichtsdidaktische  Abraumhalde wie ein Blöder belobhudeln; bei gleichzeitigem Verschweigen oder Kleinreden des im Umfeld dieses Projekts errichteten Förder- und Abpumpdickichts. 
Auch ein Interview wie zuletzt jenes mit Stefan Wolters vom Geschichtspark Bärnau-Tachov, das übrigens bisher gut 3000 Mal angeklickt wurde, wäre im Rahmen der vielgepriesenen "journalistischen Standards" kaum denkbar. Einfach weil Zeitungen - selbst die Online-Ausgaben mit überreichlich Platz - ihre Leser für zu dumm halten, ein ausführliches Interview in dieser Länge geistig verarbeiten zu können. Infolgedessen beschränken sich die 'Profis' auf das Verabreichen von journalistischem Fingerfood mit homöopathischem Informationsgehalt.

Nein wirklich, behaltet doch bitte eure vermeintlichen Standards, liebe Journalisten. Und während ihr eure Berichterstattung immer öfter an den Befindlichkeiten von Anzeigenkunden ausrichtet, nehme ich mir das Recht heraus, hier zu frei schreiben, was mir passend erscheint. Denn eure ständig im Mund geführte "Unabhängigkeit" bedeutet in der Realität vor allem eines: Finanzielle Unabhängigkeit! Und darüber verfügt nahezu keine von euch hauptberuflichen Meinungströten. 

Im Übrigen: Würden die Online-Portale - besonders jene der Zeitungen - nicht so unsäglich viel Werbung schalten, oft noch dazu in animierter und lärmender Form, dann hätten sich Adblocker nie dermaßen weit verbreitet.
Doch es verhält sich hierbei wohl so ähnlich wie bei der tagtäglichen Trump-Berichterstattung: Man hat längst jedes Maß verloren und überdies völlig übersehen, wie sehr man vielen Medienkonsumenten mit derlei Dauerpenetrationen auf den vielzitierten Sack geht. 

—————–

In den Logfiles entdeckt: Zensur-Doku

Unlängst warf ich einen Blick in die Logfiles dieses Blog und dabei fiel mir auf, dass alleine in den letzten paar Tagen an die 400 Zugriffe auf einen schon etwas älteren Beitrag zu verzeichnen sind, in dem es unter anderem um die sogenannten "Skeptiker" sowie den tendenziell unappetitlichen Internetauftritt des satirischen Negativpreises "Das goldene Brett" geht.
Woher genau kamen die Zugriffe? Von verschiedenen Webseiten, aber ursprünglicher Ausgangspunkt scheint der Kommentar unter einer aktuellen, bei Youtube veröffentlichten Doku zu sein, in der es, neben sehr schlechtem Journalismus, besonders um Zensur und Manipulation bei Wikipedia geht. Daran beteiligt sollen laut Dokumacher nicht zuletzt Mitglieder besagter Skeptiker sein. Auch ein ehemaliges Skeptiker-Mitglied - quasi ein Aussteiger aus dieser sektenhaft anmutenden Bewegung - kommt dabei zu Wort. 
Die über zweistündige Doku erscheint mir in mancherlei Hinsicht inhaltlich durchaus interessant, obschon das teilweise im Hintergrund wabernde Thema 911 mich weniger 'anturnt': Zur Doku

—————–

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Hörbares: Die mysteriösen Chachapoya -- Die Handweberinnen Sylvia Wichmann und Hermine Kraus -- Museale Fleißaufgabe

Bei den Wolkenkriegern: Die mysteriösen Chachapoya | Spieldauer 15 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Die Handweberinnen Sylvia Wichmann und Hermine Kraus | Spieldauer 56 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Ich habe im Zuge meines Living-History-Hobbys mit Handwebern ja ganz 'speziellen' Erfahrungen gemacht. Will heißen, keine sehr positiven. Aus dem Freundes- und Bekanntenkreis konnte ich ähnliches vernehmen. Es gibt aber auch professionelle Handweber bzw. Handweberinnen, die deutlich höhere Qualitätsstandards pflegen als viele ihrer Kollegen (und 'innen') - darunter die beiden Damen in oben verlinktem Plausch. 

Völkerkundemuseen prüfen die Herkunft ihrer Schätz | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Mit dieser Aktion dürfte man in den meisten Fällen um viele Jahrzehnte, wenn nicht sogar um Jahrhunderte, zu spät dran sein; einfach weil die einstigen Besitzer entweder längst tot sind oder sich aufgrund des großen zeitlichen Abstandes nicht mehr zweifelsfrei feststellen lassen (vom Überprüfen allfälliger, oft nur mündlicher Kauf- oder Schenkungsverträge ganz zu schweigen).
Verbuchen wir die Nummer daher unter den Rubriken 'Fleißaufgabe' und 'politisch korrektes Posing'. Das Heischen um Sozialprestige spielt hierbei eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Die Rechnung dafür übernimmt der Steuerzahler.

—————–